Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Afra

† um 304 Augsburg, Märtyrerin

Von: Dr. Norbert Hörberg (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Venantius Fortunatus bezeugt ihre Verehrung in Augsburg zwischen 565 und 600. Eintragung in das Martyrologium Hieronymianum wohl um 600. Die Gedenktage schwanken zwischen 6./7. August bzw. 8./9. Oktober (offiziell: 7. August). Wohl Mitte des 7. Jahrhunderts entstand ihre Leidensgeschichte (Passio), die sich formal an römische Märtyrerakten anlehnt und vermutlich aus den Mönchsvätererzählungen (Vitae patrum) das Dirnenmotiv übernimmt. Afra sei während einer Christenverfolgung als öffentliche Dirne ergriffen worden und habe durch den Feuertod auf einer Lechinsel den Glauben an Christus bezeugt und für ihr sündiges Leben gebüßt. Spätestens um 800 wurde die Passio durch eine Bekehrungsgeschichte (Conversio) ergänzt. Bischof Narcissus von Gerona und sein Diakon Felix hätten eines Abends gegen 304 bei Afra Quartier erbeten und sie, ihre Mutter und Gefährtinnen bekehrt. Eine dritte Fassung der Legende mit Erweiterungen erstellte um 1200 der Prior von St. Ulrich und Afra, Albert. Das Dirnenmotiv, das analog zu Maria Magdalena die Gnade Gottes gerade am Niedrigen wirksam zeigt, wurde in der Verehrungsgeschichte bald verdrängt. In alten Augsburger Kalendern des 11. Jahrhunderts wird Afra als ’virgo’ bezeichnet, was lediglich ’junge Frau’ bedeutet, den Dirnenberuf aber nicht ausschließt. ’Bereinigt’ erscheint die Legende in der Liturgie des Afrafestes seit 1977, wo Afra als ’unbekannte römische Jungfrau und Märtyrerin’ verehrt wird. Der Ort ihrer ersten Beisetzung ist nicht bekannt. Bischof Adalbero gab noch 897 Afrareliquien nach Lorsch. Nach den Ungarneinfällen des 10. Jahrhunderts scheint das Afragrab nicht mehr bekannt gewesen zu sein. Bischof Ulrich (I.) ließ danach suchen. Erst Bischof Embrico konnte 1064 Gebeine erheben, die man für diejenigen Afras hielt, und sie in einem römischen Sarkophag in den Afraaltar in St. Ulrich und Afra einmauern lassen. Dieser wurde 1804 geöffnet. Der gläserne Schrein, in dem Afra seither ruht, fand in verkleinerter Form in dem ursprünglich römischen Sarkophag Platz, der in der 1962/63 neugeschaffenen Krypta von St. Ulrich und Afra aufgestellt wurde. Während der Afraoktav (7.-15. August) wird der Schrein gezeigt. Neuerdings wird bezweifelt, dass in Augsburg eine heilige Afra gelebt und hier das Martyrium erlitten habe. Möglicherweise habe es sich bei ihr vielmehr um eine Römerin gehandelt. Die angeführten Argumente reichen indessen bisher nicht aus, um die Tradition zu widerlegen.
  • Afrastraße (Haunstetten-West, Amtlicher Stadtplan K 14).

Conversio et passio Afrae, in: MG SS rer. Merov. 3, 41-64; Andreas Biglmair, Die Afralegende, in: Archiv für die Geschichte des Hochstifts Augsburg 1 (1909), 139-221; Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben 1, 1952, 1-29; Friedrich Zoepfl, Die heilige Afra in Geschichte, Kult und Legende, in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte 1 (1967), 9-24; Die Ausgrabungen in St. Ulrich und Afra in Augsburg 1961-1968, 1977; Walter Berschin, Die älteste erreichbare Textgestalt der Passio S. Afrae, in: Bayerische Vorgeschichtsblätter 46 (1981), 220-222; Ders., Am Grab der hl. Afra, in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte 16 (1982), 108-121; Theodor Rolle, Die 1500-Jahrfeier des Martyriums der hl. Afra 1804/05, in: ebd. 22 (1988), 105-150; Ernst Dassmann, Die Anfänge der Kirche in Deutschland, 1993, 27-33; Bernhard Schimmelpfennig, War die hl. Afra eine Römerin, in: Vera lex historia, 1993, 277-303; Ders., Afra und Ulrich, oder: Wie wird man heilig, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 86 (1993), 23-44; Martha Schad, Afra, Bilder einer Heiligen, 1993; Lexikon für Theologie und Kirche 1, 31993, 192 f.

Martyrium der hl. Afra



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