Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Baumwollspinnerei am Stadtbach

Von: Prof. Dr. Mark Häberlein / Dr. Michaela Schmölz-Häberlein (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Nachdem das Augsburger Bankhaus Schmid 1851 ein Programm für die Anlage einer neuen Baumwollspinnerei am Stadtbach mit 680.000 Gulden Anlage- und 220.000 Gulden Betriebskapital versandt hatte, erfolgte innerhalb weniger Tage die Zeichnung der Aktien durch 70 Aktionäre. Die Spinnerei konnte bereits fünf Jahre später ihr Aktienkapital auf 2 Mio. Gulden erhöhen, zu dieser Zeit das höchste textilindustrielle Aktienkapital in Bayern überhaupt. Außerdem entwickelte sie sich kurze Zeit später zur größten Spinnerei im Deutschen Zollverein. 1869 beschäftigte die Firma 1126 Arbeiter an über 90.000 Spindeln. Die Unternehmensleitung stellte 1861 50.000 Gulden für den Bau von 500 Arbeiterwohnungen bereit. Zu diesen kam 1869 ein Zentralgebäude mit Waschküche, Badezimmer und einer Bücherei (800 Bande) samt Lesezimmer. Ab 1870 kamen ein Speisesaal, eine Bewahr- und Lehranstalt für Arbeiterkinder und ein Musikübungszimmer für den Caecilienverein der Fabrik hinzu. 1851-1853 wurde der erste, 1857 der zweite Spinnereihochbau errichtet. Unter der Leitung Theodor von Haßlers (1868-1899) wurde die Fabrik modernisiert und die Produktion reorganisiert. Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb der schlesische Großindustrielle Christian Dierig eine Mehrheitsbeteiligung an der Spinnerei, der 1914 die Wertachspinnerei als Werk II und 1927 die Baumwollspinnerei am Senkelbach als Werk III angegliedert wurde. 1933 zählte die Baumwollspinnerei am Stadtbach rund 2000 Beschäftigte. 1951 ging sie mit der Mechanischen Weberei am Mühlbach und anderen Textilbetrieben in der C. Dierig AG auf.

Baumwollspinnerei am Stadtbach in Augsburg, 1903; Wolfgang Zorn, Handels- und Industriegeschichte Bayerisch-Schwabens 1648-1870, 1961, 160-166, 231-233; Ilse Fischer, Industrialisierung, sozialer Konflikt und politische Willensbildung in der Stadtgemeinde, 1977, 25; Gerhard Hetzer, Die Industriestadt Augsburg, in: Bayern in der NS-Zeit 3, 1981, 20; S. Fees, Die frühen Spinnereien und Webereien in Augsburg, in: Aufbruch ins Industriezeitalter 2, 1985, 261; Leonard Hillenbrand, Augsburger Industriebetriebe in der Nachkriegszeit, in: Geschichte der Stadt Augsburg von der Römerzeit bis zur Gegenwart, 21985, 655; G. Lux, Theodor von Haßler, in: Unternehmer - Arbeitnehmer. Lebensbilder aus der Frühzeit der Industrialisierung in Bayern, 21987, 200-205.



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