Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Dann

Von: Edith Findel / Günther Grünsteudel (Stand: 11.1.2012)

  • 1) Albert, * 5.1.1868 Frankfurt/Main, † 29.9.1960 West Hoathly/Sussex (England), Kaufmann. Entstammte einer alten jüdischen Familie aus Frankfurt. Kam 1897 nach Augsburg, wo er Mitinhaber und später Alleininhaber der Großhandelsfirma für Kurz- und Manufakturwaren Gebr. Heymann (Clemy Heymann) wurde. 1899 Heirat mit Fanny Kitzinger (* 16.5.1876 Fürth, † 23.8.1969 Sussex), vier Töchter. 1914 Kriegsfreiwilliger; bis 1916 Rekrutenausbilder des 1. Landwehr-Infanterieregiments in Augsburg; 1917/18 ehrenamtliche Tätigkeit im Kommunalverband Augsburg-Stadt. 1927 Kommerzienrat. Im März 1939 Flucht nach Palästina, 1950 Übersiedlung nach England.
  • 2) Sophie, * 3.3.1900 Augsburg, † 18.12.1993 Sharpthorne/Sussex (England), Erzieherin, Krankenschwester. Älteste Tochter von 1). 1918 Examen als Erzieherin am Stetten-Institut. Ausbildung zur Säuglings- und Krankenschwester. Gründete 1930 die Mütterschule des Stadtbundes Augsburger Frauenvereine, Geschäftsführerin des Hauspflegevereins. Musste 1933 ihre Tätigkeit aufgeben und arbeitete in der Wohlfahrtspflege für die jüdische Gemeinde. 1939 zusammen mit ihrer Schwester 3) Emigration nach England. Ab 1941 arbeiteten beide als Leiterinnen der Säuglings-, Kleinkinder- und Krankenabteilung im Kriegskinderheim ’Hampstead Nursersies’ von Sigmund Freuds Tochter Anna Freud in London. Ab 1945 pflegten sie in Sussex Waisenkinder aus deutschen Konzentrationslagern und erhielten 1946 die britische Staatsbürgerschaft. Später arbeitete Sophie als Sekretärin des 'Hampstead Child Therapy Course and Clinic' und pflegte bedürftige Menschen. 1985 nahmen die Schwestern Dann auf Einladung der Stadt an der Wiedereröffnung der Augsburger Synagoge teil. Letzte Lebensjahre in einem britischen Altenheim.
  • 3) Gertrud, * 27.5.1908 Augsburg, † 2.4.1998 Sussex, Erzieherin. Tochter von 1). Besuchte bis 1926 das Stetten-Institut. 1926-1928 Kindergärtnerinnenseminar in Dresden. 1929-1932 Arbeit in verschiedenen Kinderheimen. Leitete ab 1932 im Elternhaus (Hochfeldstraße 15 1/2) einen Kindergarten, der ab 1934 keine ’arischen’ Kinder mehr aufnehmen durfte und in einen Nebenraum der Synagoge übersiedeln musste. Ab 1937 zeitweise Arbeit im jüdischen Kinderheim in München. 1939 zusammen mit ihrer Schwester 2) Emigration nach England (Weiteres unter 2).

Gernot Römer, Schwäbische Juden, 1990, 207-209; Augsburger Allgemeine, 16.1.1995, 21.12.1998; Vier Schwestern, 1998; Augsburger Frauenlexikon, 2006, 36-38.



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