Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Deutsche Schulen

Von: Prof. Dr. Rolf Kießling (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Im Mittelalter von Privatpersonen eingerichtete, gewerblich betriebene Schulen für Knaben und Mädchen, deren Hauptaufgabe die Vermittlung des Lesens, Schreibens und Rechnens gegen Entgelt war. Belegt seit 1320, spielten sie vor allem in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts eine größere Rolle (Nachweise in den Steuerbüchern), wobei auch eigene Schulhäuser auftauchen (z. B. 1478 am Roten Tor, im Pfaffengässchen). Ihre Aufsicht lag zunächst beim Domscholasticus (1439 Statuten des Domkapitels), ab 1520 war die Zustimmung des Rates erforderlich. Dem neugebildeten städtischen Scholarchat wurden 1537 auch alle Deutschen Schulen unterstellt; die erste Schulordnung von 1543 für die ’teutschen schulmaister’ galt für 33 protestantische Schulhalter (24 für Knaben, neun für Mädchen). 1623 gab es je zehn protestantische Knaben- und Mädchenschulen sowie auf katholischer Seite drei Knaben- und eine Mädchenschule. Mit der Parität wurde die Schulaufsicht in eine katholische und eine protestantische gegliedert, in jeder der je sechs Pfarreien bildete sich in der Regel je eine Knaben- und Mädchenschule. Besondere Betonung erfuhr neben den Grundkenntnissen zunächst der religiöse Unterricht, doch wurden seit dem 17. Jahrhundert die Anforderungen an die Lehrer langsam erhöht. Ihre Einkünfte blieben jedoch auf das Schulgeld und Unterstützungen beschränkt. Eine Reihe von Schulordnungen (protestantisch 1551, 1568, 1575, 1683, 1748, 1773; katholisch 1673, 1733) lässt die Entwicklung des Volksschulwesens erkennen (Lateinschulen, Pfarrschulen).

L. Greiff, Beiträge zur Geschichte der Deutschen Schulen Augsburgs, 1858; Julius Hans, Beiträge zur Geschichte des Augsburger Schulwesens, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg 2 (1875), 78-106, 4 (1877), 17-71; F. Wiedenmann, Aus der Frühzeit der Deutschen Schule in Augsburg, in: Schwäbischer Schulanzeiger 46/50 (1928/32), 53/55 (1935/37); Herre, 107-114; Leonhard Lenk, Augsburger Bürgertum im Späthumanismus und Frühbarock 1580-1700, 1968, 121-126; Martin Nießeler, Augsburger Schulen im Wandel der Zeit, 1984; Peter Rummel, Katholisches Leben in der Reichsstadt Augsburg (1650-1806), in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte 18 (1984), 147-150; Martin Kintzinger, Ich was auch ain schueler. Die Schulen im spätmittelalterlichen Augsburg, in: Literarisches Leben in Augsburg während des 15. Jahrhunderts, 1995, 58-81.



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