Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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St. Georg

Von: Prof. Dr. Wilhelm Liebhart (1-3) / Redaktion (3) (Stand: 20.8.2009)

  • 1) Stift. Nach nicht gesicherter Überlieferung soll Bischof Embrico 1070 außerhalb der damaligen Stadt bei einer Georgs-Kapelle für zwei Domkanoniker ein Oratorium errichtet haben. Daraus sei 1135 das Augustinerchorherrenstift St. Georg entstanden. Am 12.3.1135 beurkundete Bischof Walter (I.), dass er und das Domkapitel eine apostolische Lebensgemeinschaft nach der Regel des hl. Augustinus in der Kirche des Märtyrers Georg begründet hätten. Ende des 12. Jahrhunderts zählte das Stift 22 Mitglieder, die sich besonders der Seelsorge in der neuen Vorstadt um St. Georg annahmen, die erst seit 1301/08 von der Stadtbefestigung umfasst wurde. Nach einer Krise ab 1398 Reformzeit unter Propst Johannes Reicher, der während des Augsburger Schismas 1419 auch das Bistum verwaltete. Seit 1477 humanistische Blüte. Die Einführung der Reformation trieb die Chorherren 1537-1547 ins Exil. Das Domkapitel verhinderte 1561 die Aufhebung zugunsten der Jesuiten. 1633/35 erneutes Exil. 1693 Recht der Pontifikalien. Nach bescheidener Blüte im 17./18. Jahrhundert geriet das Stift in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in finanzielle Bedrängnis. Zur Zeit der Säkularisation (1802/03) lebten 12 Chorherren im Stift, das 1803-1883 als Militärhospital diente (Garnison).
  • 2) Kirche (Georgenstraße 16) und Stiftsgebäude. An die ursprünglich romanische Kirche (Weihe 1143) erinnern im Innern u. a. die Knotensäule (heute Kanzelfuß) und außen der Unterbau des Turms. 1490-1506 entstand eine dreischiffige, spätgotische Basilika (Länge 45 m, Breite 24 m). Am südlichen Seitenschiff stifteten die Herwart eine 1506 vollendete Kapelle. 1681-1700 barocke Umgestaltung von Kirche und Turm (Zwiebelhaube). Nach Brand um 1660 errichtete Johann Georg Mozart 1702/05 die Stiftsgebäude neu, weitere Baumaßnahmen 1731. 1880/82 neugotische Ausstattung der Kirche. 1925/27 Umbauten mit Einbeziehung der Seitenkapellen. 1944 schwere Beschädigung, bis 1958 Wiederaufbau von Kirche und Kreuzgang durch Thomas Wechs . 1978 umfassende Renovierung. 1980 Umgestaltung des Kreuzgangs. Bemerkenswerte Ausstattungsstücke: mehrere Epitaphien (z. B. Epitaph von Propst Felmann, 1497, dem Umkreis Mochel Erharts zugeschrieben), Kruzifixus (um 1510, Bestandteil des Kreuzaltars von Ignaz Wilhelm Verhelst) und ’Salvator mundi’ (1512) von Loy Hering, Tafelbilder (Passion, um 1550), ehemaliges Hochaltarblatt von Matthias Kager (Verherrlichung Mariä, 1627); lebensgroße Apostelfiguren von Ehrgott Bernhard Bendl (1697) aus dem Kreuzgang seit 1921 im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg.
  • 3) Katholische Pfarrei (Georgenstraße 18). 1135 zusammen mit dem Stift eingerichtet, Festlegung des Sprengels auf Kosten der Dompfarrei 1183, päpstliche Bestätigung 1197. Sie war dem Stift inkorporiert und wurde bis 1802/03 von den Chorherren selbst versehen. Trotz Krise während der Reformation entstand keine evangelische Pfarrei. Das als evangelische Kirche genutzte alte Predigthaus wurde infolge des Restitutionsedikts (1629) abgerissen. Bei St. Georg waren verschiedene Bruderschaften (St. Ulrich der Weber seit 1599, St. Georg 1712-1760, Mariä-Trost seit 1756) und seit 1712 das Klimmacher Bündnis (Wallfahrtskirche Klimmach/Ammersee) installiert. 1809/10 Neugründung der Pfarrei. Bedeutendster Pfarrer im 19. Jahrhundert war Albert Höfer (1831-1844), Mitglied des Bayerischen Landtags und Mitglied des Landrats von Schwaben, Schöpfer von Kirchenliedern. 1854/55 war Sebastian Kneipp 3. Kaplan in der Pfarrei. 1874 Gründung des ersten Katholischen Arbeitervereins der Diözese. 1901 erwarb die Kirchenstiftung die ehemaligen Stiftsgebäude zurück (1944 schwer beschädigt). 1955 Neubau des Pfarrzentrums. Die Pfarrei zählt derzeit 4639 Gemeindemitglieder (Stand: 1.1.2009).
  • Georgenstraße (Georgs- und Kreuzviertel, Amtlicher Stadtplan I 8).

Michael Hörmann, Die Augustinerchorherrn in Augsburg im Mittelalter, 1932; Georg Lindermayr, Pfarrkirche, Pfarrei und Kloster Sankt Georg in Augsburg 1135-1935, 1935; Norbert Backmund, Die Chorherrenorden und ihre Stifte in Bayern, 1966, 52-57; R. Sauer, St. Georg Augsburg, 1983; Wilhelm Liebhart, Stifte, Klöster und Konvente in Augsburg, in: Geschichte der Stadt Augsburg von der Römerzeit bis zur Gegenwart, 21985, 197; Ders., Die Säkularisation in Augsburg 1802-1807, in: Aufbruch ins Industriezeitalter 2, 1985, 144 f.; Peter Rummel, Katholisches Leben in der Reichsstadt Augsburg (1650-1806), in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte 18 (1984), 30-32, 109; Bernt von Hagen / Angelika Wegener-Hüssen, Stadt Augsburg, 1994, 188-197; Thomas Wechs 1893-1970, 2005, 283-285.

Katholische Pfarrei St. Georg (Foto: Alfred Neff)



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