Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Gymnasium bei St. Anna

(Schertlinstraße 5)

Von: Peter Lengle / Redaktion (Stand: 3.3.2011)

  • Bis zur Errichtung des Gymnasiums bei St. Anna als städtische Lateinschule im Herbst 1531 gab es in Augsburg fünf kirchliche Schulen am Dom, bei St. Ulrich, St. Moritz, St. Georg und Heilig Kreuz. Die Initiative ging von Pfarrer Bonifatius Wohlfahrt und von Stadtarzt Gereon Sailer aus, die die Stadt drängten, eine Gelehrtenschule in den Räumen des aufgelösten Karmelitenklosters St. Anna zu eröffnen. Anfangs hatte die Schule zwei bzw. drei Klassen und drei Lehrer. Unterrichtsgegenstände waren christliche Unterweisung, Lesen und Schreiben sowie Musik und Latein. Im Unterricht sollte Lateinisch gesprochen werden.

    Unter Sixt Birck (Rektor 1536-1554) entwickelte sich das Gymnasium bei St. Anna zu einer fünfklassigen Anstalt, an der Latein, Griechisch und Rhetorik unterrichtet wurden. Rektor Hieronymus Wolf (1557-1580) erreichte den Ausbau zu einem Gymnasium mit neun Klassen, in das die Kinder mit 5-7 Jahren eintraten. Nach einem grundlegenden Unterricht in Latein, Musik und Religion wurden in den höheren Klassen auch die Fächer Mathematik, Rhetorik, Poesie und Griechisch unterrichtet. Unter Wolf stieg die Schülerzahl auf 500 an. Auf ihn gehen eine Schulordnung und die Einführung von Lehrbüchern zurück, die lange Zeit gültig waren. Das Gymnasium bei St. Anna war nicht von Anfang an eine konfessionelle Anstalt; erst mit Errichtung des Gymnasiums bei St. Salvator 1582 wurde es eine rein evangelische Schule.

    1613/15 errichtete Elias Holl im Auftrag der Stadt einen Neubau. Der dreigeschossige Walmdachbau mit Mittelrisalit und bekrönendem Uhrengiebel (Im Annahof 4) wurde zum Prototyp des deutschen Schulhauses mit Vorbildfunktion bis ins 20. Jahrhundert. Neben diesem 1616 bezogenen Gebäude nutzte das Gymnasium bei St. Anna auch Räume in der benachbarten Stadtbibliothek (1562); ihr 1612 ebenfalls von Holl erbauter Turm diente astronomischen Beobachtungen (Sternwarten). Nach dem Restitutionsedikt kam das Gymnasium bei St. Anna 1635-1649 an die Jesuiten; der Unterricht der evangelischen Schüler konnte notdürftig im Anna-Kolleg aufrecht erhalten werden. Unter Rektor Hieronymus Andreas Mertens wurde aus dem Gymnasium bei St. Anna im 18. Jahrhundert eine sechsklassige vereinigte Bürger- oder Real- und Gelehrtenschule. Neue Unterrichtsfächer waren u. a. Franzö­sisch und Italienisch; Griechisch wurde 1783 zum Wahlfach. Die zu Lasten der alten Sprachen gehende Reform wurde von Rektor Beyschlag (1801-1820) weitergeführt.

    1807-1828 war das Gymnasium bei St. Anna infolge des Übergangs an Bayern mit dem Jesuiten-Gymnasium zusammengelegt. Der Siegeszug des Neuhumanismus führte dazu, dass der Realienunterricht an die Gewerbeschulen (Holbeingymnasium) verlegt und die alten Sprachen wieder eingeführt wurden. Das Gymnasium bei St. Anna war jetzt eine staatliche Schule und sollte auf das Universitätsstudium vorbereiten. 1893/94 wurde die alte Stadtbibliothek abgebrochen und ein weiteres Schulgebäude errichtet.

    1967 Umzug in den Neubau mit Sportplatz, Turnhallen und Sternwarte an der Schertlinstraße. 1973 Erweiterungsbau. Das alte Schulgebäude im Annahof wurde 1970/72 renoviert und ist heute Sitz der evangelischen Gesamtkirchenverwaltung. Seit 1967 hat das Gymnasium bei St. Anna einen humanistischen und einen neusprachlichen Zweig. 1993 Beteiligung am Schulversuch „Europäisches Gymnasium“ zusammen mit elf weiteren Gymnasien in Bayern. 2004 Gründung des gemeinnützigen Fördervereins des Gymnasiums bei St. Anna. Die Schü­lerzeitung (seit 1960) heißt ’Annalen’, die Vereinigung ehemaliger Schüler Societas Annensis. Derzeit rund 1000 Schüler.

Karl Köberlin, Geschichte des humanistischen Gymnasiums bei St. Anna in Augsburg 1531 - 1931, 1931; Augsburger Barock, 1968, 43; Leonhard Lenk, Augsburger Bürgertum im Späthumanismus und Frühbarock 1580-1700, 1968, 126-133; Welt im Umbruch 1, 1980, 299; Festschrift 450 Jahre Gymnasium bei Anna in Augsburg, 1981; Martin Nießeler, Augsburger Schulen im Wandel der Zeit, 1984, 25-27, 66, 186-189; Bernd Roeck, Elias Holl, 1985, 161-166; Bernt von Hagen / Angelika Wegener-Hüssen, Stadt Augsburg, 1994, 256; Das Gymnasium bei St. Anna in Augsburg, 2006; Homepage (www.gym-anna.de).

Gymnasium bei St.Anna mit Stadtbibliothek und Sternwarte



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