Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Ilsung I

(’bei St. Moritz’, ’auf dem Stein’), Patrizierfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1288-1409 in Augsburg nachweisbar. Die frühen Zusammenhänge lassen sich nur in Umrissen klären. Erkennbar ist, dass zwei nur kognatisch verwandte Linien zu unterscheiden sind, da die Ilsung (II) ein zwar ähnliches, aber doch deutlich modifiziertes Wappen führen und 1363 als ’Oheime’ bezeichnet werden. Die Ilsung wanderten offensichtlich aus dem Raum Wertingen zu, wo in einer Urkunde des Klosters Holzen schon 1254 ’Ylsung, Conradus frater eius’ erwähnt wird. Ein Ulrich Ilsung, der 1304 Bürgerrecht erwarb, wird ausdrücklich als ’de Werting(en)’ bezeichnet. Der 1319 bezeugte Konrad (I?, † 1319/37), vielleicht identisch (oder Sohn?) mit dem Neubürger ’Chunr. Ilsunck’ von 1288, ist der älteste sicher einzuordnende Vertreter der Familie. Sein Sohn Ulrich ’bei St. Moritz’ († 5.4.1364), ab 1353 im Rat nachweisbar, amtierte 1362 als Baumeister. Als Fernhändler (wohl ihm wurden 1360 bei Huy/Maas Waren arrestiert) erwarb er ein großes Vermögen, das nach Eintritt der einzigen Tochter in ein Kloster für sein Seelheil ’investiert’ wurde: Ab 1355 stiftete er vier Altäre mit Vikarien bei St. Jakob, St. Moritz und am Dom und bedachte viele andere Kirchen mit Zuwendungen. Mit einem Kapital von 1240 Pfund Pfennigen dotierte er die erste Augsburger Armenspende. Ein reiches Erbe, die Mannlehen und das spätere Weberhaus, fiel an Konrad (III, † 20.12.1391), den Sohn eines Bruders (wohl entweder Konrad, II, oder Johann, I), der seit den 1350er Jahren nach seinem neuerworbenen Besitz, dem Haus ’auf dem Stein’ bei St. Leonhard, benannt wurde. Konrad, auch als Kaufmann bezeugt, zählte seit den 1360er Jahren zu den führenden Augsburger Politikern und amtierte fünfmal als Stadtpfleger. Sein Sohn Johann (II, † 30.4.1409) übernahm das politische Erbe des Vaters. Nur wenige Tage nach dessen Tod wurde er erstmals zum Stadtpfleger gewählt und zählte bis zu seinem Ende zum engsten Führungszirkel. Da seine Söhne offensichtlich vor ihm starben, erlosch mit ihm das Geschlecht. Das Haus ’auf dem Stein’ wurde 1422 zum Stammhaus der Welser.
  • Ilsungstraße, nach den Geschlechtern der Ilsung (Hochfeld, Amtlicher Stadtplan K, L 11/12).

Eduard Zimmermann, Augsburger Zeichen und Wappen, 1970, 615, 1427 (oben); Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, Anh. 9-39, 231-233.



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