Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Kager

Johann Matthias, * 1575 München, † 1634 Augsburg, Maler, Freskant, Miniaturist, Zeichner

Von: Dr. Tilman Falk (Stand: 22.5.2013)

  • Lehrzeit in München ab 1588 bei Jakob Jelle, danach bei dem Miniaturmaler Jörg Karl. Anschließend wohl im Dienst des bayerischen Hofes, wahrscheinlich unter Friedrich Sustris an Bau und Ausstattung der Residenz beschäftigt. 1597 Meisterrecht in München. Ab 1603 in Augsburg nachgewiesen, 1604 dort Bürgerrecht, Heirat und Zunftaufnahme. Obwohl er sich als 'Miniaturist und Konterfetter' beworben hatte, erhielt er bereits 1605 einen ersten großen öffentlichen Auftrag als Freskant: die Bemalung des Weberhauses. 1611 Mitglied des Großen Rats und Vorgeher der Zunft; 1615 Stadtmaler, 1627-1632 Mitglied im Kleinen Rat, 1631 bis zur Besetzung durch die Schweden vorübergehend Bürgermeister. Von Beginn seiner Tätigkeit an entstanden Altarbilder für Augsburger Kirchen und Kapellen: um 1605 Hauptaltar der Friedhofskapelle St. Michael (Stiftung eines Fugger), 1609 'Anbetung der Könige' für St. Ulrich und Afra (ebendort 1622 ein Benediktaltar, verloren), 1610 'Geburt Christi und Anbetung der Könige' (wohl aus dem Dom, jetzt Bischöfliches Ordinariat), 1613 Hochaltar von St. Katharina (verloren), 1616 'Tempelgang Mariae' für Katholisch Heilig Kreuz, 1625 'Christus als Guter Hirte' für St. Peter, 1627 'Verherrlichung Mariae durch die Kirchenväter' für St. Georg. Gleichzeitig mehrten sich auch schon bald kirchliche Aufträge von auswärts: nach dem Allerheiligenaltar der Jesuitenkirche in Hall/Tirol (1609) Arbeiten für Dillingen, Eichstätt, Zwiefalten u. a. Orte. Andererseits schuf er 1610-1612 auch Wandmalereien am Augsburger Frauentor und am Heilig-Kreuzer-Tor. Auffallend sind die engen Beziehungen zu den Jesuiten einerseits, zu dem Familienverband der Fugger, besonders Markus Fugger in Kirchheim, andererseits. Zentrum seines Schaffens in Augsburg bildete die Leitung der Innenausstattung des neuen Rathauses (ab 1620), wo er neben Entwürfen für andere Künstler (z. B. Hans Freyberger) eigene Bilder für Fürstenzimmer und Ratsstube lieferte, vor allem aber den Goldenen Saal ausgestaltete und die Deckengemälde (nach Kriegsverlust an Hand von Farbfotos erneuert) nach Skizzen von Peter Candid schuf. Ein großes Wandbild mit 'Salomon und der Königin von Saba' war 1621 über dem Altan des benachbarten, auch von Elias Holl neuerrichteten Gefängnisbaus entstanden (verloren). Das malerische Spätwerk – zumeist große Altäre der Gegenreform – ist über ganz Süddeutschland (vom Bodensee bis Passau) verbreitet. Durch den Eindruck der Altarbilder von Rubens in Neuburg/Donau und Freising gelangte Kager früher als andere ab ca. 1625 zu kraftvoller barocker Gestaltung. Als späteste Werke dieser Art (bisher übersehen) können zwei Altäre für den Dom von Würzburg gelten, die anscheinend noch im Jahr ihrer Entstehung (1631) von den Schweden abtransportiert wurden. Das übrige malerische Werk (außer im Dienst der Katholischen Kirche) besteht aus Miniaturen für den Münchner Hof oder andere fürstliche Auftraggeber, einigen Porträts (Fugger) und gelegentlichen Bildserien profaner Thematik, die jedoch nur archivarisch dokumentiert sind. Außerdem war er ein produktiver Zeichner, der seine Gemälde sorgfältig vorbereitete, dazu Entwürfe für Ornamentik, Kunstgewerbe (Pommerscher Kunstschrank) und wohl auch Architektur lieferte. In der Frühzeit schuf er einige wenige eigenhändige Kupferstiche; unter den späteren zahlreichen Graphik-Vorlagen sind die Entwürfe für ca. 140 Stiche zu Matthäus Raders 'Bavaria Sancta et Pia' (4 Bde., 1615-1628) in erster Linie zu nennen. Durch seine führende Stellung in Augsburg, dazu seinen weit verbreiteten Ruf, den er wohl hauptsächlich den Jesuiten zu verdanken hatte, kann man ihn, obwohl wichtige Werke früh zugrunde gingen, zu den bedeutendsten und bisher unterschätzten Künstlern des deutschen Frühbarock rechnen.
  • Kagerstraße (Wolfram- und Herrenbachviertel, Amtlicher Stadtplan L 9).

Adolf Buff, Der Bau des Augsburger Rathhauses mit besonderer Rücksichtsnahme auf die dekorative Ausstattung des Innern, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg 14 (1887), 221-301; Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler 19, 1926, 431-434; Hermann Nasse, Der Augsburger Stadtmaler Johann Mathias Kager, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 46 (1926), 76-132; Heinrich Geissler, Die Altarbilder von St. Michael in Augsburg und der frühe Mathias Kager, in: Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen in Baden-Württemberg 2 (1965), 49-88; Susanne Netzer, Johann Matthias Kager, Stadtmaler von Augsburg, 1980; Elias Holl und das Augsburger Rathaus, 1985; Bernd Roeck, Mathias Kager und die süddeutsche Architektur des frühen 17. Jahrhunderts, in: Oberbayerisches Archiv 111 (1986), 47-63; Bruno Bushart, Die Hochaltarblätter des Barock in Augsburg, in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte 25 (1991), 190-225; Doris Hascher, Fassadenmalerei in Augsburg vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, 1996; Tilman Falk, Vom Weberhaus zum Rathaus. Zeichnungen und Biographisches aus Johann Matthias Kagers Augsburger Zeit (2 Teile), in: Münchner Jahrbuch der Bildenden Kunst 3. Folge 59 (2008), 65-157; 62 (2011), 103-178.

Johann Matthias Kager: Deckenbildentwurf für den Goldenen Saal



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