Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Kapuziner

Von: Prof. Dr. Wilhelm Liebhart / Redaktion (Stand: 20.8.2009)

  • Dritter Zweig des ersten Ordens des hl. Franz von Assisi, der als Reformzweig der Franziskanerobservanten 1528 päpstliche Anerkennung fand.
  • 1) Kloster des hl. Franziskus und sel. Gualfardus. 1601 kamen auf Betreiben von Bischof Heinrich von Knöringen zwei Kapuziner zunächst heimlich nach Augsburg. Die Gebrüder Fugger entschlossen sich, für die Kapziner ein Kloster zu bauenund erwarben Grundstücke an der Schönauer- und Klebsattlergasse (heute Kapuzinergasse, Gedenktafel Nr. 21). 1602 Weihe von Kirche und Kloster. Die Fugger dotierten den Konvent mit 10.000 Gulden, was aber nicht ausreichend war. Die Stifte St. Georg, Heilig Kreuz, St. Moritz, St. Ulrich und Afra und das Kloster St. Katharina honorierten die tatkräftige Unterstützung der Kapuziner beim Beichtehö­ren und in der Krankenseelsorge durch Nahrungsmittelhilfen. Bedeutende Augsburger Kapuziner waren der Mediziner Emmerich von Wesel, der Kontroversprediger Franz Borgias und der Theologe Franz von Paula Tausch, Hoftheologe von Bischof Joseph Ignaz Philipp. Der in der Säkularisation aufgehobene Konvent war der ärmste in Augsburg; er zählte 1807 21 Patres, vier Studenten und neun Laienbrüder, elf davon waren Augsburger Bürgersöhne. 1869 wurde die Kirche abgebrochen
  • Kapuzinergasse (Innenstadt, Amtlicher Stadtplan K 9).
  • 2) Franziskanisches Zentrum St. Sebastian (Sebastianstraße 24). Wenige Jahrzehnte nach der Aufhebung kamen wieder Kapuziner nach Augsburg. 1843 ließen sie sich bei der Kapelle St. Sebastian vor dem Stephingertor nieder. Diese ursprünglich 1611/12 von Elias Holl errichtete Kapelle (Nachfolgebauten 1643 und 1722/24) mit Kaplanhaus diente der Seelsorge für das nahe Pest- und Siechenhaus St. Sebastian, wo stets einige Konventualen des Kapuzinerklosters lebten. Sehr beliebt waren seit der Wiederbesiedlung die Sebastiani-Oktaven. 1907/09 Neubau der Kirche St. Sebastian in neuromanischen Formen durch Hans Benedikt Schurr und Erweiterung des Klosters, das seit 1843 im (erweiterten) Kaplanhaus eingerichtet war. Malereien im Kircheninnern von Leonhard Thoma und Josef Guntermann; bedeutendstes Ausstattungsstück: Muttergottes von Hans Degler (nach 1620), vermutlich aus dem nach der Säkularisation abgebrochenen Kapuzinerkloster. 2008 Schließung des Franziskanischen Zentrums durch die Bayerische Kapuzinerprovinz. Die Kirche wird von der Pfarrei St. Georg betreut.
  • Sebastianstraße (1879, Rechts der Wertach, Amtlicher Stadtplan I, K 7).

Walter Scheidler, Augsburger Kirchen, 1980, 104; Peter Rummel, Katholisches Leben in der Reichsstadt Augsburg (1650-1806), in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte 18 (1984), 42-44, 62 f.; Wilhelm Liebhart, Die Säkularisation in Augsburg 1802-1807, in: Aufbruch ins Industriezeitalter 2, 1985, 149; Christusnachfolge, 1992, 129 f.; Bernt von Hagen / Angelika Wegener-Hüssen, Stadt Augsburg, 1994, 408-410. Johanna Schmid, Augsburg St. Sebastian, 22001.



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