Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Karg

(Charge), Patrizierfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1288-1472 in Augsburg nachweisbar. Die Brüder ’Chunrat’ und ’Bertoldus Charge’ erwarben 1288 und 1290 Augsburger Bürgerrecht. Wohl Sohn oder Enkel des Konrad ist Liupold (I) Karg († 1351/55), der 1341 als Teilhaber der Handelsgesellschaft seines Schwiegervaters Konrad (III) Klocker genannt wird. Liupold ist 1348 auch als erster im Rat belegt. Die Karg waren also erst nach der Verfassungsreform von 1340 in den Kreis der Ratsfamilien aufgestiegen. Nach Einführung der Zunftverfassung (Zunfterhebung) ist ihre Zugehörigkeit zu den ’Herren’ nicht mehr belegt. Die ab 1355 auftretenden Söhne Liupold (II, † 1368/76), der als patrizischer Ratsherr 1368 noch den ersten Zunftbrief siegelte, und Konrad (II, † 1394/95) sind nach 1368 offensichtlich zu den Zünften übergetreten. Da unter den Nachkommen mehrfach Goldschmiede erscheinen, berichtet die Chronistik des 15. Jahrhunderts wohl zutreffend von ihrem Eintritt in die Kaufleutezunft. Auch die Tätigkeit von Liupold (III, † 1419/20) für die Ilsung weist in diese Richtung. Als der Rat um 1412 die Wasserversorgung der Stadt durch Errichtung von ’Rörprunnen’ verbessern wollte, übernahmen Liupold (III) und sein Schwager Ulrich Stur die organisatorische Leitung und offensichtlich auch das unternehmerische Risiko des Projekts. Die Realisierung erwies sich als schwieriger und kostspieliger als erwartet. Burkhard Zink berichtet zutreffend, dass ’Liupold Karg verdarb’, denn die Steuerbücher belegen 1414-1416 bei ihm und Stur Vermögensverluste von über 3000 fl. Seine Schäden wurden nicht ersetzt, man übertrug ihm jedoch das Zolleramt am Haunstetter Roten Tor. Liupold starb ohne Nachkommen. Ein auf dem heutigen Ulrichsplatz errichteter, 1551 und 1664 erneuerter und 1695 abgetragener Brunnen wird bei Simon Grimm (’Schau-Platz’, 1682) ’Liupold-Kargen-Brunnen’ genannt. Sein Bruder Paul († 1420/21) hatte noch einen Sohn Liupold (IV), der, Goldschmied wie der Vater, bis 1472 als Augsburger Bürger bezeugt ist. Dessen 1473 als Student in Ingolstadt erwähnter Sohn Liupold (V) verließ Augsburg; 1493 verkaufte er hier letzte Besitzreste.
  • Kargstraße (Links der Wertach-Nord, Amtlicher Stadtplan I 7), benannt nach Liupold (III).

Caspar Walter, Hydraulica Augustana, 1754, 4 f.; Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert 5, 145 f.; Eduard Zimmermann, Augsburger Zeichen und Wappen, 1970, 4086, 4087; Werner Schnyder, Handel und Verkehr über die Bündner Pässe im Mittelalter 1, 1973, 177; Augsburger Brunnen, 1989, 11; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 147, Anh. 17-44, 230-233.



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