Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Landauer

Fritz, * 13.6.1883 Augsburg, † 17.11.1968 London, Architekt

Von: Günther Grünsteudel / Gernot Römer (Stand: 18.3.2011)

  • Sohn des Textilfabrikanten Joseph Landauer. Sein Großvater war Moses Samuel Landauer, Gründer der Weberei M. S. Landauer. Ab 1902 Studium der Architektur an den Technischen Hochschulen in München und Karlsruhe. Diplomprüfung 1907 in München. Als einer der wenigen Vertreter des 'Neuen Bauens' in Süddeutschland galt er bis in dei 1930er Jahre als Spezialist auf dem Gebiet des Synagogenbaus. Die zusammen mit Heinrich Lömpel entworfene Augsburger Synagoge an der Halderstraße (1913-1917) ist ein bis in kleinste Einzelheiten gestaltetes Gesamtkunstwerk. In einer Mischung von orientalischen, spätantiken aber auch modernen und zeittypischen Stilelementen wurde hier der Versuch unternommen, eine spezifisch jüdische Architektur zu formulieren. Bei ihrer Einweihung 1917 noch umstritten, gilt der Bau heute als herausragendes Beispiel der Synagogenarchitektur in Deutschland. Die Synagoge in Plauen/Vogtland (1928-1930) zählt zu den Hauptwerken des modernen Sakralbaus in der Weimarer Republik. In die Synagoge an der Poolstraße in Hamburg (1929) gingen Teile seiner Wettbewerbsentwürfe (2. Preis) ein. Noch vor seiner Emigration nach London war er dort zwischen 1935 und 1937 für den Bau zweier Synagogen verantwortlich. Entwarf außerdem u. a. in Augsburg, Fürth, München, Berlin und London im Stil des ‚Neuen Bauens’ Siedlungen, Geschäfts- und Wohnhäuser; davon erhalten in Augsburg das Haus Landauer (Frölichstraße 5; 1910/11) und das Haus Strauß (Nibelungenstraße 17; 1930). Nach seiner Emigration nach London gelang es ihm trotz anfänglicher Erfolge nicht, sich dauerhaft als Architekt zu etablieren. Ein 1940 gegründetes Unternehmen für Entwurf und Lieferung von Grabsteinen war seine einzige Erwerbsmöglichkeit. Erst als Landauer nach langem Ringen 1955 von der Bundesrepublik Deutschland entschädigt worden war, konnte er diese 'Ersatz-Tätigkeit' aufgeben.

Helmut Eschwege, Die Synagoge in der deutschen Geschichte, 1980, 46, 49, 148, 178, 198; Harold Hammer-Schenk, Synagogen in Deutschland, 1981, 495, 509-511, 532-537; Bernt von Hagen / Angelika Wegener-Hüssen, Stadt Augsburg, 1994, 160, 204-207; Sabine Klotz: Fritz Landauer (1883-1968), 2001.



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