Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Langenbucher

Von: Dr. Wolfram Baer / Günther Grünsteudel (Stand: 29.4.2014)

  • Der katholische Goldschmied, Wachsbossierer und ’Inventor’ Achilles Langenbucher (* 1579 Giengen, † um 1650 Augsburg) erhielt 1611 Augsburger Bürgerrecht. Er war wegen seiner Tiefschnittemail- und Treibarbeiten geschätzt, zu seinen Spezialitäten zählten jedoch neben Spieldosen (u. a. mit singenden Vögeln) vor allem Musikautomaten. Er arbeitete wiederholt für den Kunstagenten Philipp Hainhofer und war u. a. an der Herstellung des Pommerschen Kunstschranks (Kunstschränke) beteiligt. Sein Schüler in der Herstellung von Musikautomaten wurde der evangelische Bossierer Veit Langenbucher (* um 1587, † um 1631), der sein Wissen später an seine Söhne weitergab. Ob er mit Achilles Langenbucher verwandt war, ist nicht bekannt. Mit ihren Musikautomaten erregten die Langenbucher Anstoss bei Orgel- und Instrumentenmachern. 1647 erhoben Samuel (II) und Daniel (I) Bidermann Klage gegen Achilles Langenbucher und Veit Langenbuchers Sohn, den (Silber-) Drechsler Balthasar Langenbucher († vor 4.1.1681), wegen des unbefugten Baus von "selbstschlagenden Instrumenten" und damit des Übergriffs in ihr Handwerk. Nach zweimaliger Wiederaufnahme endete der kostspielige Rechtsstreit 1651. Im abschließenden Senatsdekret wurde den Langenbuchern gestattet, ihre Musikautomaten weiterhin zu bauen, sofern sie nicht in andere Handwerke eingriffen. Von den fünf Söhnen des Achilles Langenbucher wurden Johann und Gottfried Uhrmacher, Christoph kurfürstlich bayerischer ’Grottenmaister’. Unter den Nachkommen Veit Langenbuchers waren bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Silberdrechsler, Uhrmacher (Caspar Langenbucher, * um 1620 Augsburg, † 1677/78 Augsburg) und Instrumentenmacher.

Paul von Stetten, Kunst-, Gewerb- und Handwerksgeschichte der Reichs-Stadt Augsburg I, 1779, 172, 182; II, 1788, 62; Hermann Meyer, Orgeln und Orgelbauer in Oberschwaben, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 54 (1941), 247-256; Albert Protz, Mechanische Musikinstrumente, 1943, 39-53; Eva Groiss, Automatophone Musik, in: Die Welt als Uhr, 1980, 127-132, 211, 284; Barbara Mundt, Der Pommersche Kunstschrank des Augsburger Unternehmers Philipp Hainhofer für Herzog Philipp II. von Pommern, 2009.



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