Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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St. Magdalena

Von: Prof. Dr. Wilhelm Liebhart (1-2) / Günther Grünsteudel (2) (Stand: 5.1.2012)

  • 1) Kloster. 1215 gründete der spanische Stiftsgeistliche Dominikus in Toulouse, einem Zentrum der Katherer, den Prediger- oder Dominikanerorden. Sein Nachfolger, der zweite Ordensgeneral Jordan von Sachsen, dürfte 1225 die ersten Brüder nach Augsburg entsandt haben. Sie ließen sich bei den Templern zwischen Vorderem Lech und Predigerberg nieder, wofür wohl die Lauginger und andere Augsburger Bürger die Voraussetzungen schufen. 1251 erste Nennung eines Konvents, der sich aus Adeligen und nicht etwa Bürgern zusammensetzte. 1313 Überlassung von Kirche und Haus des 1312 aufgehobenen Templerordens durch Bischof Friedrich (I.). Unabhängig von Pfarreigrenzen entfalteten die Dominikaner durch Massenpredigt und Massenbeichte eine rege Wirksamkeit. Die Armutsforderung des hl. Dominikus schloss eine Wirtschaftstätigkeit aus. Die Mönche lebten allerdings nicht nur vom Bettel, von gestifteten Messen, Jahrtagen, Ablässen und bürgerlichen Stiftungen, sondern auch von Grundrenten. Im Kloster bestand stets ein kleines Generalstudium. Berühmte Dozenten waren Hermann von Augsburg, Narcissus Pfister und Johann Faber. 1746-1794 war St. Magdalena Studienzentrum der süddeutschen Ordensprovinz. Bis zur Reformation enges Verhältnis zur Stadt. Die Fugger, Welser, Meuting, Stetten, Imhof und andere förderten im Mittelalter die Dominikaner. Als Prior Johann Faber gegen Luther auftrat, wurde er 1525 vom Rat ausgewiesen. 1534-1548 musste der bereits 1532 geplünderte Konvent die Stadt verlassen. Das Hochstift übernahm in der Folge den Schutz des Klosters, das 1802 der Säkularisation zum Opfer fiel. Damals lebten 27 Konventualen im Konvent, von denen 15 Augsburger Bürger waren. 1808 wurde das Kloster endgültig geräumt.
  • 2) Ehemalige Dominikanerkirche (Dominikanergasse 15). 1496-1523 Neubau des Klosters und 1513-1515 der zweischiffigen, spätgotischen Hallenkirche (Hans Engelberg, Hans Hieber?) mit zahlreichen ehemaligen Grabkapellen u. a. Johann Jakob Fuggers, der Hoechstetter, Imhof, Lauginger, Manlich, Rembold, Stetten und der Rehlinger’schen Fraternität. 1721-1724 Stuckierung durch die Brüder Feichtmayr, Deckenfresken von Alois Mack nach Entwürfen von Johann Georg Bergmüller. Nach der Säkularisation Nutzung u.a. als Salpeterlager. Seit 1837 im Eigentum der Stadt. Erste Restaurierungsarbeiten 1913/14. 1944 Zerstörung der Konventgebäude. Seit 1966 Römisches Museum. Die erhaltenen Stücke der ehemals bedeutenden Ausstattung sind bis auf die ’Fier gulden Stain’ (marmorierte und bemalte Sandstein-Epitaphe für Maximilian I., dessen Sohn, Philipp von Spanien, und Enkel, Erzherzog Ferdinand, sowie für Karl V., 1519/20) heute auf verschiedene Kirchen und Museen verteilt: Maximilianmuseum, Schaezlerpalais, Staatsgalerie, Fuggermuseum Babenhausen, Alte Pinakothek München, Victoria & Albert Museum London. Ein Hauptwerk ist die von Gregor Erhart geschaffene Hängeskulptur der Maria Magdalena aus der Zeit um 1516-1520 (’La belle Allemande’; heute im Louvre), die erst jüngst der Dominikanerkirchen-Ausstattung zugewiesen wurde. Als Pendant hierzu existierte ursprünglich eine Hängeskulptur der Muttergottes in der Mandorla mit Reliefs der Rosenkranzgeheimnisse (verschollen).
  • Die Straßennamen Dominikanergasse und Predigerberg (’Predigerorden’; 1938 benannt) gehen auf St. Magdalena zurück (Lechviertel, Amtlicher Stadtplan K 9).

H. Wiedenmann, Die Dominikanerkirche in Augsburg, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 43 (1917), 1-56; Polykarp Maria Siemer, Geschichte des Dominikanerklosters Sankt Magdalena in Augsburg, 1936; Peter Rummel, Katholisches Leben in der Reichsstadt Augsburg (1650-1806), in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte 18 (1984), 38-40; Wilhelm Liebhart, Stifte, Klöster und Konvente in Augsburg, in: Geschichte der Stadt Augsburg von der Römerzeit bis zur Gegenwart, 21985, 198 f.; Ders., Die Säkularisation in Augsburg 1802-1807, in: Aufbruch ins Industriezeitalter 2, 1985, 134-152, 145 f.; Josef Engl, Die Fenster der ehemaligen Dominikanerkirche in Augsburg, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 87 (1994), 105-130; Bernt von Hagen / Angelika Wegener-Hüssen, Stadt Augsburg, 1994, 124-132; A. Schädler, Gregor Erharts 'La Belle Allemande' im Louvre, in: Festschrift für Hermann Fillitz zum 70. Geburtstag, 1994, 365-376; Sophie Guillot de Suduiraut, Gregor Erhart: Sainte Marie-Madeleine, 1997; Brigitte Sölch, Klöster und ihre Nachbarn - Konkurrenz im Blick? Neubauprojekte und Kapellenausstattungen des 16. Jahrhunderts in Augsburg am Beispiel der Dominikanerkirche St. Magdalena, in: Humanismus und Renaissance in Augsburg, 2010, 491-526.

Dominikanerkirche St. Magdalena

Greogor Erhart: Maria Magdalena (um 1516/20) aus St. Magdalena



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