Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Niekisch

Ernst, * 23.5.1889 Trebnitz (Niederschlesien), † 23.5.1967 Berlin, sozialistischer Politiker, Publizist

Von: Dr. Gerhard Hetzer (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Sohn eines Feilenhauers. Lehrer im Ries, seit 1912 an der Wittelsbacherschule in Augsburg. Seit Oktober 1917 SPD-Mitglied. 1918 Mitarbeiter, zeitweise Redakteur der Schwäbischen Volkszeitung. Seit November 1918 Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates in Augsburg, ab Dezember 1918 Leiter des Vollzugsausschusses der bayerischen Arbeiterräte, ab Februar 1919, nach dem Tod Eisners, Vorsitz im Zentralrat der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte in München. Anfang April 1919 maßgeblich an der Ausrufung der Räterepublik beteiligt. Im Mai 1919 verhaftet und im Juni zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt, die er größtenteils in Niederschönenfeld verbüßte. Im Juni 1920 zur USPD übergetreten, kehrte er 1922 wieder zur SPD zurück. Trotz Inhaftierung 1919-1923 Augsburger Stadtrat und 1920-1923 Mitglied des Landtags. Ende 1922 Leiter des Jugendsekretariats des (freien) Textilarbeiterverbandes in Berlin. 1926 Austritt aus der SPD. Herausgeber der im Dezember 1934 verbotenen Zeitschrift ’Widerstand’, führender Vertreter der ’nationalbolschewistischen’ Richtung in der Linken mit zahlreichen Verbindungen zu Gruppen der sogenannten Konservativen Revolution, der Jugendbewegung und zu Wehrverbänden. Im März 1937 verhaftet und im Januar 1939 wegen Vorbereitung zum Hochverrat vom Volksgerichtshof in Berlin zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. 1945 KPD-, 1946 SED-Mitglied. 1949 Professur an der Humboldt-Universität Berlin und Berufung in die erste Volkskammer. Seit 1951 innerhalb der SED zunehmend isoliert, legte 1954 alle öffentlichen Ämter nieder, trat aus der Partei aus und übersiedelte nach West-Berlin.

Friedrich Kabermann, Widerstand und Entscheidung eines deutschen Revolutionärs, 1973; Ernst Niekisch, Erinnerungen eines deutschen Revolutionärs, 2 Bde., 1974; Uwe Sauermann, Ernst Niekisch und der revolutionäre Nationalismus, 1985; Rieser Biographien, 1993, 279 f.; Wilhelm Heinz Schröder, Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867-1933, 1995, 633; Richard Herzinger, Im deutschen Verhängnis, in: Sinn und Form 48 (1996), 59-77; Birgit Rätsch-Langejürgen, Das Prinzip Widerstand, 1997.



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