Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Nilson

Künstlerfamilie

Von: Dr. Rolf Biedermann / Günther Grünsteudel (2) (Stand: 10.1.2012)

  • 1) Andreas, * um 1690 Augsburg, † 1751 Augsburg, Zolleinnehmer, Maler. Sein Vater stammte aus Göteborg (Schweden), seine Mutter aus Augsburg. Heiratete 1721 die Miniaturmalerin und Silhouetteurin Rosina Barbara Bretting (* um 1691 Augsburg, begraben 23.5.1763 Augsburg), Tochter des Goldschmieds Johann Conrad Bretting und Witwe des Malers Heinrich Miller, und erwarb damit dessen Malergerechtigkeit. ’Wegen Stümbeley’ (Ausübung der Malerei ohne Genehmigung) vorübergehend als Schreibmeister in Regensburg tätig.
  • 2) Johann Esaias, * 2.11.1721 Augsburg, † 11.4.1788 Augsburg, Miniaturmaler, Zeichner, Kupferstecher, Kunstverleger. Sohn von 1). Bis 1738 Schüler des Gymnasiums bei St. Anna. Anschließend Lehrzeit bei dem Ingenieur Johann Thomas Kraus, Ausbildung in der Miniaturmalerei bei seinem Vater sowie bei Hieronymus und Katharina Sperling und im Kupferstich bei Johann Lorenz Haid. Zwischen 1741 und 1751 arbeitete er als Miniaturmaler und Entwerfer für Augsburger Kunstverlage (u. a. Johann Andreas Pfeffel, Johann Georg Hertel). Erbte nach dem Tod des Vaters 1751 dessen Malergerechtigkeit und gründete spätestens 1752 einen rasch wachsenden Kunstverlag, in dem er auch eigene Kupferstiche vertrieb. Heiratete 1755 Rosina Catharina, Tochter des verstorbenen Rektors am Anna-Gymnasium Philipp Jakob Crophius; weitere Eheschließungen 1764 und 1766. 1761 Mitglied der kaiserlich Franciscischen Akademie in Augsburg, 1766 Ernennung zum kurpfälzischen Hofmaler. 1769-1786 evangelischer Direktor der Reichsstädtischen Kunstakademie in Augsburg. Sehr geschätzt waren seine Miniaturporträts, Aquarelle und Gouachen, vor allem aber seine weitverbreiteten Kupferstiche, die ihn als einer der fruchtbarsten deutschen Stecher des Rokoko ausweisen. Miniaturen und Zeichnungen in den Kunstsammlungen Augsburg.
  • 3) Rosina Catharina, * 22.11.1755 Augsburg, begraben 18.12.1785 Augsburg, Zeichnerin, Miniaturistin. Älteste Tochter von 2). Erhielt 1782 für zwei Entwürfe zu Gessners Lustspiel ’Erast’ einen Preis der Stadtakademie. Arbeitete im Verlag ihres Vaters und war als Zeichenlehrerin bei angesehenen Augsburger Familien gefragt. Starb an Auszehrung.
  • 4) Johann Jakob, * 10.10.1756 Augsburg, begraben 23.9.1826 Augsburg, Kupferstecher, Zeichenlehrer. Ältester Sohn von 2). Ausbildung an den Akademien in Augsburg, München, Stuttgart, Mannheim, Düsseldorf und Straßburg. Lieferte vor allem Silhouettenbilder auf Papier, Pergament und Glas. Zeichenlehrer am Anna-Gymnasium.
  • 5) Christoph Andreas, * 24.4.1760 Augsburg, † 26.7.1833 Augsburg, Jurist, Zeichenlehrer. Sohn von 2). Studierte an der Universität Göttingen Jura. Ließ sich in Augsburg als Advokat und Notar nieder, Mathematik- und Zeichenlehrer am Anna-Gymnasium.
  • 6) Johann Philipp, * 1.5.1770 Augsburg, begraben 16.4.1828 Augsburg, Graveur, Zeichenlehrer. Jüngster Sohn und Schüler von 2). Erlernte bei seinem Schwager F. X. Hutter das Schriftenstechen. Ab 1821 Zeichenlehrer am Anna-Gymnasium, ab 1825 an der höheren Kunstschule, der Nachfolgeinstitution der ehemamigen Stadtakademie.
  • 7) Susanne Christina Johanna, * 1786 Augsburg, Illuministin. Die Tochter von 4) entwarf für Augsburger Kunstverlage Prospekte und Kostümbilder.
  • 8) Wilhelm Johann Esaias, * 1788 Augsburg, Kupferstecher. Der Sohn von 4) war in Augsburg und Freiburg/Breisgau tätig. Schuf eine Folge Augsburger Tore, Ansichten von Freiburg und Stuttgart, zeitweise für den Freiburger Verlag Herder tätig.
  • 9) Catharina Christina Johanna, * 1791 Augsburg, Miniaturistin. Die Tochter von 4) war als Illuministin für Augsburger Kunstverlage tätig.

  • 10) Christoph Friedrich, * 9.3.1811 Augsburg, † 19.12.1879 München, Maler, Radierer. Der Sohn von 6) war Schüler von Joseph Schlotthauer, Julius Schnorr von Carolsfeld und Clemens von Zimmermann in München. Fresken in Hohenschwangau und im Hofgarten der Münchner Residenz, Deckenbild in der Münchner Staatsbibliothek. Nach 2) der bedeutendste Vertreter der Familie Nilson.

Paul von Stetten, Kunst-, Gewerb- und Handwerksgeschichte der Reichs-Stadt Augsburg 1, 1779, 351; Felix Joseph Lipowsky, Baierisches Künstlerlexikon, 1810; Christoph Andreas Nilson, Sammlung belehrender Aufsätze mit Biographien einiger Augsburger Künstler, 1831, 206; Georg K. Nagler, Neues allgemeines Künstlerlexikon 11, 219, 343-346; ders., Die Monogrammisten, 1858/79; Charles LeBlanc, Manuel de l'amateur d'estampes, 1857/88; Desiré Guilmard, Les maîtres ornamentistes, 1880, 444; Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler 25, 1931, 478; H. Boesch, Das Stammbuch des Augsburger Malers und Kupferstechers Johann Esaias Nilson, in: Zeitschrift für Bücherfreunde 6 (1902/03); Olgerd Grosswald, Der Kupferstich des 18. Jahrhunderts in Augsburg und Nürnberg, 1912; Marianne Schuster, Johann Esaias Nilson, 1936; Gerhart Nebinger, Ein Stammbuch aus der Augsburger Künstlerfamilie Nilson, in: Blätter des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde 55 (1992), 108-110; Wolfgang Augustyn, Augsburger Buchillustration im 18. Jahrhundert, in: Augsburger Buchdruck und Verlagswesen, 1997, 791-861; Neue deutsche Biographie 19 (1999), 278 f.; Sibylle Appuhn-Radtke, 'Inter nos!'. Johann Esaias Nilson und seine Freunde im Spiegel eines Stammbuchblattes, in: Augsburg, die Bilderfabrik Europas, 2001, 162-172; Nilson Online, 2002; Gun-Dagmar Helke, Johann Esaias Nilson, 2005; Christoph Nicht, Die Holzer-Serie von Johann Esaias Nilson, in: Johann Evangelist Holzer, 2010, 164-167.

Johann Esais Nilson



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