Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Nördlinger II

(’Pfennigsäck’), Kaufmannsfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1419-1464 in Augsburg nachweisbar. 1419 erscheint der zugewanderte (?) Weber Heinrich (I, † 1455) als ’Habnit’ in einem Vorstadtviertel, 1428 mit einem Anschlagvermögen von 800 fl in der Innenstadt; 1455 ist er mit einem Anschlagvermögen von 28.080 fl der reichste Augsburger Bürger. Er arbeitete wohl mit seinem Bruder Hans zusammen, der 1438 mit ihm in Frankfurt genannt wird und 1459-1470 als Nürnberger Bürger bezeugt ist (evt. ’Hans Nerlinger’, Kramer, † 14.10.1470). Wichtigstes Geschäftsfeld war, wie bei den meisten weberzünftigen Kaufleuten, wohl der Baumwoll- und Barchenthandel. Indizien sprechen aber auch für Aktivitäten in anderen Bereichen. Mit dem Kauf von Reutern (1451) wird schon bei Heinrich ein Bemühen um gesellschaftliche Anerkennung sichtbar. Sein ältester Sohn Hans († 1463/64) brachte aus der Konkursmasse Hans von Hoys 1457 Horgauergreut an sich. Er trat in den Dienst Herzog Ludwigs von Bayern, von dem er 1460 noch die Herrschaft Wolfsberg erwarb. Diese Bindung an Bayern brachte seinen Ruin: Die Chroniken berichten, dass 1461 Schloss und Dorf Horgauergreut von Augsburger Truppen niedergebrannt wurden; das gleiche Schicksal erlitt offensichtlich Wolfsberg. Was übrig blieb, fiel an den Bruder Georg († 1464/65). Mit seinem Tod erlosch die Familie in Augsburg. Schon vorher waren große Teile von Heinrichs Erbe über Töchter an Georg (I) Grander und den Ulmer Patrizier Hans Neithart gefallen. Um Georgs Erbe stritten sich 1465 sein Nürnberger Onkel Hans Nördlinger, sein Schwager Neithart und Vinzenz Scharsacher von Landshut, der seine Witwe Ursula geheiratet hatte.

Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert 5, 249 f.; Max Förderreuther, Die Augsburger Kaufmannschaft in den bayerischen Herzogtümern während der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts, 1892; Franz Bastian, Das Runtingerbuch 1383-1407 1, 1944, 459; Ludwig Veit, Nürnberg und die Feme, in: Nürnberger Forschungen 2 (1955), 187 Nr. 237; Joachim Jahn, Augsburg Land, 1984, 236 f., 260; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 151, Anh. 75-101.



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