Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Obwexer

Kaufmannsfamilie, Bankiers

Von: Prof. Dr. Mark Häberlein / Dr. Michaela Schmölz-Häberlein (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Johann Obwexer († 1766), 1726 aus Klausen (Südtirol) nach Augsburg zugewandert, finanzierte den Bau der Schüle'schen Kattunfabrik und stieg 1759 in den Münzhandel mit Hall/Tirol und 1764 mit der Markgrafschaft Burgau ein. Errichtete testamentarisch zahlreiche kirchliche Stiftungen. Vier seiner neun Kinder waren katholische Geistliche, Franz Xaver und Alois Jesuiten, Clemens (* 1726 Augsburg, † 1788 Augsburg) und Philibert (* 1736 Augsburg, † 1804 Rom) Franziskaner; die übrigen Kinder und die Enkel heirateten in die führenden italienisch- und französischstämmigen katholischen Kaufmannsfamilien Augsburgs ein (Bacchiochi, Cobres, Ducrue, Pedroni, Pogliese, Tonella). Nachfolger Johann Obwexers im kirchlichen Engagement und den geschäftlichen Aktivitäten wurden seine Söhne Joseph Anton (* 1730 Augsburg, † 1795 Augsburg) und Peter Paul (* 1739 Augsburg, † 1817 Augsburg), die 1770-1779 eine Kattunmanufaktur in Bregenz betrieben und 1783-1787 mit den Schwarz, Carli, Cobres und Pedroni an einer Ochsen- und Unschlitthandlung nach Venedig beteiligt waren. Dem bayerischen Staat gewährten sie größere Anleihen. Enge Geschäftsbeziehungen zu Matthäus Schüle. Die Brüder, Inhaber der Herrschaft Hardt (Reinhardshofen und Leutishofen), wurden 1778 von Joseph II. nobilitiert. 1778-1806 exportierten sie Augsburger Kattune und schlesische Leinenstoffe nach den französischen und spanischen Kolonien in Westindien über Amsterdam und die Karibikinsel Curaçao, wofür sie amerikanische Kolonialwaren (Zucker, Kaffee, Kakao, Indigo) erwarben. Seit den 1790er Jahren finanzielle Schwierigkeiten, die sich durch die prokaiserliche Politik der Obwexer, die in den holländisch-englischen Seekriegen erlittenen Verluste und durch den Tod des Faktors auf Curaçao, Pierre Brion (1799), zuspitzten und bis 1811/12 zum Bankrott des Handelshauses und zur völligen Verarmung der Familie führten.

Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben 5, 1956, 270-280; Mark Häberlein / Michaela Schmölz-Häberlein, Die Erben der Welser, 1995; Michaela Schmölz-Häberlein, 'Voll Feuerdrang nach ausgezeichneter Wirksamkeit', in: Augsburger Handelshäuser im Wandel des historischen Urteils, 1996, 130-146.



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