Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Occo

Ärztefamilie

Von: Petra Ostenrieder (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Zu der aus Friesland stammenden Familie gehörten vier Augsburger Ärzte gleichen Namens, die durch ihre beruflichen Fähigkeiten und humanistischen Studien bekannt waren und gute Beziehungen zu den Fuggern unterhielten.
  • 1) Adolph (I), * 1447 Osterhusen, † 24.7.1503 Augsburg. Medizinstudium, 1474 als Arzt beim Kloster St. Ulrich und Afra erwähnt. Durch enge Verbindungen zum Heidelberger Humanistenkreis (Agricola) 1482 Berufung nach Heidelberg. 1488 Leibarzt des Pfalzgrafen, 1491 Leibarzt Erzherzog Sigismunds in Innsbruck. 1494 Rückkehr nach Augsburg. Grabmal im Domkreuzgang. Bekannt war seine Bibliothek, die nach seinem Tod an seinen Neffen, Pompejus Occo (* 1483 Ostfriesland, † 22.11.1537 Amsterdam) ging, der ab ca. 1494 von seinem Onkel in Augsburg erzogen worden war und ab 1511 als Faktor der Fugger in Amsterdam wirkte.
  • 2) Adolph (II), * 1494 Brixen, † 13.4.1572 Augsburg. Adoptivsohn von 1). Medizinstudium in Bologna, 1519 Promotion. Nach Rückkehr nach Augsburg, Heirat mit der Kaufmannstochter Helene Weiß. 1523 oder 1526 Berufung zum Stadtarzt, was er mit Unterbrechungen 40 Jahre lang blieb. 1535 Buch über die Pest. Medizinische Betreuung der Bewohner der Fuggerei und der Patienten des Blatterhauses. Daneben humanistische Studien.
  • 3) Adolph (III), * 17.10.1524 Augsburg, † 28.10.1606 Augsburg. Sohn von 2) und bekanntester Vertreter der Familie. Medizinstudium in Tübingen und Padua. Promotion 1549 in Ferrara. Anchließend Mitarbeiter seines Vaters in Augsburg. Die ihm üblicherweise zugeschriebene Pharmacopoeia Augustana ist nach neueren Ergebnissen eher einem Autorenkollektiv (darunter Adolph II) zuzuweisen. 1573 Erhebung in den Adelsstand. Seit 1582 Vikar des Collegium Medicum, damit Aufsicht über das Medizinalwesen der Stadt und regelmäßige Apothekenvisitation. Wegen des Widerstands gegen die Einführung des Gregorianischen Kalenders (Kalenderstreit) wurde er seiner städtischen Funktionen enthoben. Neben naturkundlichen Forschungen (neue Heilkräuter, Einführung des Tabaksamens) und humanistischen Studien ist ein Werk zur Münzgeschichte der römischen Kaiserzeit erwähnenswert (Imperatorum Romanorum numismata a Pompeio Magno ad Heraclium, 1579).
  • 4) Adolph (IV), * 24.9.1578 Augsburg, † August 1628 Augsburg. Sohn von 3). Medizinstudium in Basel. 1600 Rückkehr nach Augsburg, Aufnahme ins Collegium Medicum. Pestarzt und Apothekenvisitator. Vermutlich an der Pest gestorben.
  • Occostraße (1965, Jakobervorstadt-Nord, Amtlicher Stadtplan K 8).

Allgemeine deutsche Biographie 24, 1887, 126 f.; Hans Viktor Bühler, Das Ärztegeschlecht der Occo, in: Sudhoffs Archiv für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften 28 (1935), 14-42; Otto Nübel, Pompejus Occo, 1972; Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben 10, 1973, 77-112; Gerhard Gensthaler, Das Medizinalwesen der Freien Reichsstadt Augsburg bis zum 16. Jahrhundert, 1973; Welt im Umbruch 2, 1980, Nr. 333-336; Bosls bayerische Biographie, 1983, 557; H. L. Houtzager, Die Augsburger Occo-Medaillen, in: Totentanz aktuell 1996, 1-7.

Adolph (III) Occo



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