Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Onsorg

(Ansorg, Aunsorg), Patrizierfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1311-1486 in Augsburg nachweisbar. Ab 1324 ist Konrad (I, † 27.10.1358), die wohl bedeutendste Gestalt der Familie, in den Quellen fassbar. 1328 erscheint er im Rat, 1332-1350 amtierte er viermal als Stadtpfleger. Der frühverstorbene Vater ist bislang nicht bezeugt. Die Mutter Agnes, wohl die 1311 genannte ’Ansorgin’, hatte in zweiter Ehe Konrad Vetter (I) geheiratet. Über den Besitz Lechhausen lässt sich ihr Vater, der reiche Stadtpfleger Konrad Lang, erschließen. Als dessen Erbe tritt Konrad Onsorg hervor, wahrscheinlich hatte er vom Großvater auch das Wappen übernommen. Verheiratet mit Lucia, einer Tochter K. (I) Portners, begann Konrad einen systematischen Herrschaftsaufbau im Augsburger Umland. Von den ’von Pfersee’ und vom Hochstift erwarb er die Herrschaft Pfersee (1330, 1345), von Heinrich Portner die Herrschaft Wellenburg (1348); außerdem war er 1354 mit Heinrich Herwart Pfandbesitzer des Marktes Buchloe. 1349 stiftete er für die Allerheiligen-Kapelle in St. Moritz zwei Vikarien, die mit Gütern in Deubach, Hausen und Willishausen dotiert wurden; dem Heilig-Geist-Spital schenkte er 1355 einen Hof zu ’Kepfingen’. Pfersee, auf das seine zweite Frau Katherina Fischer, Witwe des Stadtpflegers Konrad Lang verwiesen war, wurde 1363 an Sebastian (I) Rehm verkauft. Auch der an die Söhne Johann (I, † 1368/72), Hartmann (I, † nach 1397) und Konrad (II, † nach 1372) gefallene Grundbesitz konnte nicht gehalten werden. Nach Einzelverkäufen (1360) veräußerten Konrad (II) und die Söhne des Johann (I) 1372 ihre Hälften von Lechhausen an Hermann (I) Nördlinger (I). Ende 1372 wegen Beteiligung an einer Fehde geächtet, trat Konrad (II) im gleichen Jahr sein Drittel von Wellenburg an den Bruder Hartmann ab und verschwand aus Augsburg. Wohl eine (zeitweilige) Ächtung Hartmanns 1376 führte zur Aufgabe Wellenburgs. Johanns Söhne Johann (II, † 1410/11) und Hartmann (II, † nach 1403) verkauften 1376 ihr Drittel an Rüdiger Langenmantel (II), der im folgenden Jahr mit seinem Schwager Jakob Pütrich auch noch die beiden Drittel Hartmanns (I) erwarb. Der Rückkauf Wellenburgs 1387 durch Hartmann (I) brachte Auseinandersetzungen mit Jakob Pütrich, die in Konflikte mit Bayern und der Stadt Augsburg mündeten und 1396 zur Zerstörung der Burg und zur Abwanderung Hartmanns und seiner Söhne Hartmann (III, † um 1429), Stephan (I, † 1430) und Jos (I, † 1397/1413) nach Ulm führten. Der Johann-Zweig war in den Streit nicht verwickelt: Johann (II) war nach Heirat mit Afra Rehm (1390) offenbar für die Gesellschaft des Schwiegervaters tätig; mit dem Tod seines Sohnes Georg (I, † 1469/70) ist der Zweig in Augsburg erloschen. Schon bald erfolgte eine Rückwanderung aus Ulm: 1406 erwarb Stephan (I) Augsburger Bürgerrecht, 1414 folgte ihm sein Neffe Johann (IV, † um 1455), der 1430 mit seinem Bruder Georg (II, † 1436) auch Stephans Anteil an Wellenburg übernahm. 1432 wurde Johann erlaubt, in Wellenburg ’ain hus’ zu bauen. Wellenburg war, jetzt allerdings innerhalb der Familie, weiterhin Auslöser heftiger Konflikte. 1446 einigte man sich noch, dass zwei Drittel Johann (IV) und ein Drittel der in Ulm lebenden Witwe seines Bruders Heinrich (I, † um 1429) und ihren Söhnen Heinrich (II, † 1486/91) und Jos (II, † 1478) zustehen sollte. 1455 verzichtete Johann zugunsten seiner Söhne Ulrich († 1476), Hartmann (V, † 1478), Johann (VI, † 1458/62) und Hieronymus († um 1458) auf seinen Wellenburger Besitz, der nun zunehmend zersplitterte. Nach jahrelangen Prozessen mit dem Bruder Hartmann vermachte Ulrich 1475 einen großen Komplex dem Verwandten Johann (I) Lang. Den anderen Teil mit dem Schloss veräußerte Hartmann 1463 an den Vetter Jos (II). Dieser hatte um 1456 durch Heirat Augsburger Bürgerrecht erworben und spielte als letzter der Familie noch einmal eine politische Rolle: Ab 1466 Ratsmitglied, gelangte er während der Ära Ulrich Schwarz 1468 in den engeren Führungszirkel und amtierte ab 1472 viermal als Bürgermeister (Stadtpfleger). Beim Sturz von Schwarz wurde er unter mysteriösen Umständen ermordet. Seine Witwe verkaufte im gleichen Jahr den Wellenburger Besitz an Leonhard (I) Lauginger. Am längsten in Familienbesitz hielt sich der Anteil des Heinrich (II), mit dem 1491 der Neffe Simprecht, wohl seit 1490 Bürger von Zürich, belehnt wurde. Mit ihm ist das Geschlecht vermutlich erloschen, 1504 wird er als verschollen bezeichnet.
  • Ohnsorgstraße (Pfersee-Nord, Amtlicher Stadtplan H 9), benannt nach Konrad (I) Onsorg.

Paul von Stetten, Geschichte der adelichen Geschlechter in der freyen Reichsstadt Augsburg, 1762; Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert 4, 99-107, 188-192; Eduard Zimmermann, Augsburger Zeichen und Wappen, 1970, 1558 f.; Joachim Jahn, Zur Geschichte der Herrschaft Wellenburg von der Mitte des 14. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts, in: Heimatverein für den Landkreis Augsburg: Jahresbericht 1978/79, 156-174; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 139, 196, Anh. 7-154, 226-233.



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