Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Pest

(’Schwarzer Tod’)

Von: Dr. Claudia Kalesse / Ute Ecker-Offenhäußer (Stand: 13.1.2012)

  • Epidemische Infektionskrankheit (lat. pestis = Seuche), die durch Flöhe von Nagetieren auf den Menschen übertragen wird und als Haut-, Beulen- oder Lungenpest auftreten kann. Da in den Quellen die verschiedensten bösartigen Seuchen als Pest bezeichnet wurden, ist es schwierig, die Krankheit rückblickend sicher zu diagnostizieren. Eine Augsburger Quelle von 1628 bezeichnet im Zeitraum 1042-1628 insgesamt 22 Seuchenausbrüche als Pest. Gesicherte Erkenntnisse liegen über den sogenannten Schwarzen Tod vor, der 1347-1352 Europa überzog. Nachrichten über direkte Auswirkungen der Pestwelle auf Augsburg gibt es nicht. Die blutige Vertreibung der Juden aus Augsburg 1348 muss nicht, wie anderswo, mit dem Ausbruch der Pest in Zusammenhang stehen, da Judenverfolgungen 1348 auch in anderen Städten unabhängig von einem tatsächlichen Ausbruch der Pest vorgenommen wurden. Gegen eine Auswirkung der Seuche auf Augsburg spricht auch, dass die Steuerkonten von 1346 auf 1351 (die Jahrgänge 1347-1350 fehlen) bei wahrscheinlich gleichem Erfassungsmodus sogar zunehmen und im Bürgerbuch nie so viele Neubürger eingetragen wurden wie 1348. Gesicherte Erkenntnisse über eine Pestwelle in Augsburg gibt es erst für 1380. Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts wurde Augsburg immer wieder von der Pest heimgesucht (1563, 1592, 1600, 1606/07, 1627/28 und 1634/35). Genauere Untersuchungen gibt es zu dem Seuchenzug 1627/28. Die Krankheit wurde wohl von dem in der Stadt einquartierten Militär eingeschleppt. Die Schwerpunkte der Seuche lagen im Dezember 1627 zunächst in den ärmeren Stadtvierteln. Zu den Bekämpfungsmaßnahmen des Rates zählten die Sicherstellung der medizinischen Versorgung der Infizierten. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts gab es vier Pestärzte, die beim Auftreten der Seuche abwechselnd das Pestlazarett und die Pestkranken in der Stadt versorgen mussten. Weiterhin erließ der Rat Pestordnungen, die Zusammenkünfte verboten, den Betrieb der Badstuben einschränkten und die Stadtbewohner zur Reinlichkeit verpflichteten. Auf obrigkeitlichen Befehl wurden auch Pestschriften gedruckt, die das richtige Verhalten während der Seuche beschrieben und billige Arzneimittelrezepte zur Selbstmedikation gaben. Die Behandlung der Infizierten erfolgte durch die Pest- und Wundärzte sowohl mit innerlich wirkenden Arzneien als auch durch chirurgische Eingriffe wie das Öffnen der Bubonen, Setzen von Fontanellen und Aderlassen. Nach 1650 kam es immer seltener zu Pestausbrüchen, nach der Epidemie von 1720/21 in Marseille und der Provence erlosch die Seuche in Europa.

Karl Fries, Die Pest zu Augsburg im Dreißigjährigen Krieg, Diss. München 1887; F. Deininger, Das Collegium Medicum Augustanum, in: Deutsches Ärzteblatt 61 (1964), 1239-1243; Bernd Roeck, Eine Stadt in Krieg und Frieden 2, 1989, 630-652; Bernhard Schimmelpfennig, Christen und Juden in Augsburg, in: Judengemeinden in Schwaben im Kontext des Alten Reiches, 1995, 32-34; Raphael Matthias Krug, Pest in Augsburg 1348-1351?, in: Stadt und Land in der Geschichte Ostschwabens, 2005, 285-321.



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