Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Peutinger

(Buettinger, Peytinger), Kaufmanns- und Patrizierfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken (1) / Dr. Bellot Josef (2) / Dr. Katharina Sieh-Burens (2) (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1) 1364 bis ins 18. Jahrhundert in Augsburg nachweisbar; Herrenstube (Wappenzyklus 1457); 1538 Aufnahme ins Patriziat. Der Zuname war wohl ursprünglich Herkunftsbezeichnung (Peiting); eine Verwandtschaft mit ’Chvnr. von Pitengowe’ (1288) sowie ’Volckmarus de Pitengae et Hermannus frater suus’ (1293) ist zumindest nicht belegt. Letzterer ist durch eine Urkunde von 1302 als Bruder des Rottenbucher Propstes Ulrich Peutinger (1295-1307) bezeugt, die als weiteren Bruder auch ’Con. Pyttinger’ nennt. Sicher fassbar sind die Peutinger in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts, eine gehobene soziale Stellung ist erkennbar. Konrad (I, † 1396/97?) wird 1367-1396 als Propst in Bozen genannt. Die ab 1364 in den Steuerbüchern fassbaren Goldschmiede, Konrad (II, † 1401/02) und Heinrich († 1417/18), waren Söhne seines Bruders († vor 1370). Die Linie Heinrichs erlosch mit dem Sohn Ulrich (I, † nach 1475). Trotz patrizischen Konnubiums (1382: Dillinger) versteuerte Konrad nur ein mittleres Anschlagvermögen (1396: 660 Gulden, 136. Stelle). 1402 übernahm der älteste, aus einer frühen Ehe stammende Sohn Jakob das Haus des Vaters; die minderjährigen Kinder Anna und Johann (I) aus letzter Ehe (Anna Schmied) wuchsen im Haus des Stiefvaters Thomas (I) Breyschuh auf. Jakob († 1438), Goldschmied und später Münzmeister, hatte vom Vater ein Anschlagvermögen von nur 240 Gulden (1402) geerbt; nach Anfall des Erbes seines Schwiegervaters Johann Wieland (1425) zählte er zu den reichsten Augsburger Bürgern (Anschlagvermögen 1428: 7080 Gulden, 16. Stelle). Nach seinem Tod zersplitterte das Erbe. Der mit einer Rehlinger verheiratete Sohn Sigmund (I, † 1463) und seine Söhne Georg (I, † 1491/92) und Sigmund (II, † 1497/98) blieben unbedeutend, mit Georgs Söhnen Georg (II) und Sigmund (III, † nach 1522) scheint die Linie in Augsburg erloschen zu sein. Auch die jüngere Linie war ökonomisch wenig bedeutend, aber Teil eines literarisch aktiven Verwandtschaftsnetzes (Breyschuh, Wahraus, Mülich). Weder Johann (I, † 1459/60) noch die Söhne Johann (II, † 1496/97) und Ulrich (II, † nach 1486) gelangten über Mittelmaß hinaus. Nur der älteste Sohn Konrad (III, † 1466) erwies sich als kaufmännische Begabung (Anschlagvermögen 1466: 4260 Gulden, 28. Stelle). 1459 war er in Wien für die Ludwig-Meuting-Gesellschaft tätig und wurde daneben als ’Diener’ Erzherzog Albrechts (VI.) bezeichnet.
  • 2) Konrads (III) einziger Sohn Konrad (IV, * 16.10.1465 Augsburg, † 28.12.1547 Augsburg), war die bedeutendste Gestalt der Familie und der eigentliche Begründer der gesellschaftlichen Stellung, aber auch der akademischen Tradition der Familie. Durch ihn gelangten die Peutinger 1538 ins Patriziat. Er studierte Rechtswissenschaft in Italien und kam hier mit dem Humanismus in Berührung. 1498 Eheschließung mit Margarete (* 18.3.1481 Augsburg, † 5.9.1552, Augsburg), der Schwester Bartholomaus (V.) Welsers. Als Stadtschreiber (1495-1534) bestimmte er die Politik der Stadt maßgeblich mit. Nutzte den wirtschaftlichen Aufstieg der Handelsgesellschaften, um Augsburg eine Führungsposition im Schwäbischen Bund (Bündnisse) zu verschaffen. Kaiser Maximilian I. ernannte ihn zu seinem Rat und übertrug ihm mehrere diplomatische Aufträge, sein Einfluss auf die Reichspolitik blieb gering. Dank seiner Einflussnahme wurden literarisch-historische Projekte des Kaisers in Augsburg realisiert. Stand wirtschaftspolitisch auf Seiten der Handelsgesellschaften, verteidigte in Gutachten Zinsnahme und Kartellbildungen. Während der Reformation suchte er einen Weg des Ausgleichs und verhinderte bis 1534, dass die Stadt sich offiziell zum Protestantismus bekannte. Neben altkirchlicher Gesinnung waren hierfür auch wirtschaftliche Erwägungen und politischer Opportunismus ausschlaggebend. Nach dem Scheitern seiner Bemühungen zog er sich zurück. Als Humanist unterhielt er zahlreiche Verbindungen zu gelehrten Zeitgenossen. Gründete die Sodalitas Litteraria Augustana, publizierte historische Quellenwerke, sammelte römische Münzen und Steindenkmäler, ließ historische Urkunden und Quellenwerke abschreiben und trug eine große Bibliothek zusammen (Privatbibliotheken). Ein umfangreicher, wenngleich fragmentarischer Nachlass (Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, Bayerische Staatsbibliothek München) gibt Aufschluss über Peutingers historisch-politische Leitmotive. Seine protestantischen und katholischen Nachkommen bekleideten vielfach städtische Ämter. Der protestantische Sohn Claudius Pius († 1552) war 1534-1548 Stadtadvokat, wurde häufig als Gesandter eingesetzt und führte mit Anton Fugger 1547 nach dem Ende des Schmalkaldischen Kriegs die Unterwerfungsverhandlungen in Ulm. Seine Kinder waren Katholiken, Claudius Konrad Pius arbeitete 1563-1613 als Stadtadvokat, Claudius Narziss und Claudius Eusebius gehörten 1564-1572 bzw. 1585-1602 dem Rat an, Karl trat 1572 in den Jesuitenorden ein. Konrads zweiter protestantischer Sohn Chrysostomus († 1577) saß 1548-1553 im Rat. Sein Sohn Johann Chrysostomus heiratete die Schwester des Basler Bischofs und wurde hierdurch zum Gründer der Schweizer Linie der Peutinger zu Marbach und Wangen. Auch Konrads katholischer Sohn Karl († 1564) war ab 1554 Ratsherr. Eine entscheidende politische Rolle spielte der vierte Sohn Christoph († 1576), verheiratet mit Katharina Lauginger, der nach mehrjähriger Faktorentätigkeit für die Welser 1548 in den Rat gelangte und 1553-1576 katholischer Stadtpfleger war. Als er kinderlos starb, hinterließ er sein Vermögen als Fideikommiß, wodurch die Familie in heftigen Streit geriet.
  • Peutingerstraße benannt nach Konrad (IV) Peutinger (Innenstadt; Amtlicher Stadtplan I, K 8; noch im 19. Jahrhundert: St. Johannisgasse).

Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert 22; J. Mois, Das Stift Rottenbuch in der Kirchenreform des 11. und 12. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte, Topographie und Statistik des Erzbistums München und Freising 19 (1953), 364; R. Perger, Niklas Teschler und seine Sippe, in: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 23/25 (1967/69), 134; Eduard Zimmermann, Augsburger Zeichen und Wappen, 1970, 3767; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 141, Anh. 11-175.
(2) aul von Stetten, Geschichte der adelichen Geschlechter in der freyen Reichsstadt Augsburg, 1762, 188-190; Erich König, Peutingerstudien, 1914; Conrad Peutinger, Briefwechsel, 1923; Friedrich Roth, Zur Lebensgeschichte des Augsburger Stadtadvokaten Dr. Claudius Pius Peutinger, in: Archiv für Reformationsgeschichte 25 (1928), 99-127, 161-255; C. Bauer, Conrad Peutingers Gutachten zur Monopolfrage, in: ebenda 45 (1954), 1-44, 145-196; R. Pfeiffer, Conrad Peutinger und die humanistische Welt, in: Augusta 955-1955, 1955, 179-186; Heinrich Lutz, Conrad Peutinger, 1958; Josef Bellot, Conrad Peutinger und die literarisch-künstlerischen Publikationen Kaiser Maximilians, in: Philobiblon 11 (1967), 171-189; Franz Josef Worstbrock, Aus dem Nachlaß Konrad Peutingers, in: Wolfenbütteler Renaissance-Mitteilungen 7 (1983), 93-96; J. Ramminger, The Roman inscriptions of Augsburg, in: Studi umanistici piceni 12 (1992), 197-210; Bernd Mertens, Im Kampf gegen die Monopole, 1996; Marita A. Panzer / Elisabeth Plößl, Bavarias Töchter, 1997, 59-63.

Konrad (III.) Peutinger



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