Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Pfarrschulen

Von: Prof. Dr. Rolf Kießling (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Bei fünf der sechs Augsburger Pfarreien im Mittelalter existierten eigene Schulen, deren Ursprünge, abgesehen von der Domschule, die wohl in die Zeit des Bischofs Ulrich zurückging, nur bei St. Moritz bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts zurückreichen, ansonsten aber im Dunkel liegen. 1503 werden anlässlich einer Prozession folgende Schulen und Schülerzahlen genannt (nach Stengel): Dom 110, St. Moritz 138, St. Georg 66, Heilig Kreuz 55 (jeweils Geistliche + Schüler), St. Ulrich 78 (nur Schüler), zusammen ca. 300 Schüler. Die Aufsicht über alle Schulen lag nach den Statuten des Domkapitels von 1439 beim Domscholasticus und wurde von ihm noch 1503 beansprucht; daneben bestand zumindest bei St. Moritz ein Stiftsscholaster für die Stiftsschule. Im 15. Jahrhundert machten die Pfarrgemeinden Mitspracherechte für die Lehranstalt, in der Pfarrkinder oder auch andere den Elementarunterricht erhielten, geltend; so wurde bei St. Moritz 1466 in einem Vertrag mit dem Stift die Aufstockung des Entgelts für den Schulmeister vereinbart und 1502 auch ein Schulgebäude verwaltet. Von 1484 datiert ein entsprechender Vertrag bei St. Georg. Hauptgegenstand des Unterrichts war die Glaubenslehre und die Förderung des Gottesdienstes, wozu auch Latein gehörte. Bei St. Ulrich und Afra war mit Johannes Ruch in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts eine aktive Persönlichkeit als Schulvorstand tätig. Die Schulen beim Dom und bei St. Ulrich wurden im Zuge der reformatorischen Neuordnung 1537 dem städtischen Scholarchen unterstellt und als Vorschulen dem Gymnasium bei St. Anna zugeordnet, mussten aber 1548 wieder an die Stifte zurückgegeben werden. Als niedere Lateinschule blieb bis ins 18. Jahrhundert neben der Domschule nur mehr die bei St. Moritz bestehen (Deutsche Schulen).

Julius Hans, Beiträge zur Geschichte des Augsburger Schulwesens, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg 2 (1875), 78-106; 4 (1877), 17-71; Karl Köberlin, Geschichte des humanistischen Gymnasiums bei St. Anna in Augsburg 1531-1931, 1931, 12-15, 29; Rolf Kießling, Bürgerliche Gesellschaft und Kirche in Augsburg im Spätmittelalter, 1971, 109 ff., 240 ff.; Martin Kintzinger, Ich was auch ain schueler. Die Schulen im spätmittelalterlichen Augsburg, in: Literarisches Leben in Augsburg während des 15. Jahrhunderts, 1995, 58-81.



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