Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Salzburger Exulanten

Von: Madlen Bregenzer (Stand: 11.1.2012)

  • Schon Ende des 17. Jahrhunderts wurden die protestantische Bewohner des Defreggertales und von Dürnberg/Hallein als Untertanen des Erzbischofs von Salzburg wegen ihres Glaubens verfolgt, verhaftet und zur Auswanderung gezwungen. Die Kinder dieser Familien mussten zurückbleiben und wurden in katholischen Familien erzogen. Etwa 1000 Personen fanden Zuflucht in Ulm, Augsburg und Nürnberg, die Bergknappen aus Dürnberg in den sächsischen Bergbaugebieten. Am 31.10.1731 erließ Anton Leopold von Firmian, seit 1727 Erzbischof von Salzburg, ein Emigrationsedikt gegen seine evangelisch-lutherischen Untertanen. Etwa 20.000 Protestanten, vor allem Bergbauern und -knappen aus dem Pongau, dem Gasteinertal und Dürnberg mussten innerhalb von zwei Wochen das Land verlassen. In Augsburg traf die erste Gruppe (ca. 500 Personen) am 26.12.1731 ein, die letzte am 11.8.1732 (insgesamt 6116 Personen). Bis zum kaiserlichen Öffnungsbefehl der Stadttore im Februar mussten die Flüchtlinge außerhalb Quartier nehmen (z. T. in Gärten). Samuel Urlsperger rief sofort zu Geld- und Sachspenden auf (die Kollekte an Neujahr 1732 betrug 6000 Gulden) und initiierte ein Hilfswerk, das vor Ort für Unterkunft, Verpflegung und Krankenpflege sorgte. Für die Weiterziehenden errichtete er eine ’Zehrgeldkasse’ und sorgte auf lange Sicht für Neuansiedlungen in Ostpreußen und Hannover sowie die Gründung einer Kolonie im nordamerikanischen Georgia, der Vater und Sohn Urlsperger über Jahrzehnte eng verbunden blieben.

Matthias Simon, Evangelische Kirchengeschichte Bayerns 2, 1942, 527-531; Angelika Marsch, Die Salzburger Emigranten in Bildern, 1977; Horst Jesse, Die Geschichte der Evangelischen Kirche in Augsburg, 1983, 278-283; Samuel Urlsperger, 1996; Christoph Lindenmeyer, Salzburg, Augsburg, Savannah, in: Nachrichtenblatt der Societas Annensis 53 (2005), 9-43; Rudolf Leeb, Die große Salzburger Emigration von 1731/32 und ihre Vorgeschichte, in: Glaubensflüchtlinge, 2008, 277-305; Stefan W. Römmelt, Georgien in Teutschland. Der Augsburger Pastor Samuel Urlsperger und die pietistische Publizistik über das Siedlungsprojekt Eben-Ezer (Georgia), in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 100 (2008), 249-266; Andreas Link, Lendler, Defregger, Salzburger. Arme Exulanten in Augsburg, in: Augsburg, Schwaben und der Rest der Welt, 2011, 35-83.



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