Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Schaller

Weber- und Kaufmannsfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken (Stand: 02.09.2010)

  • 1413 bis ins 16. Jahrhundert in Augsburg nachweisbar; 1523 Herrenstube. Als Besitzer eines kleines Hauses in der Vorstadt erscheint ab 1413 der Weber Claus (I, † 1444/45). Sein einziger Sohn Claus (II, * um 1420/25, † 8.1.1494) erbte 1448 ein Anschlagvermögen von 339 fl. 1457 kam er als Zwölfer der Weber in den Großen, 1464 in den Alten Rat. Der Wechsel Thomas Ehems in die Kaufleutezunft ebnete ihm den Weg in den Kleinen Rat (1467) und den engeren Führungszirkel (1468). Wie seine Ämter 1476/78 erkennen lassen, zählte er zu den Gegnern von Ulrich Schwarz. In der politisch labilen Übergangsphase nach dem Sturz von Schwarz war er offenbar der geeignete, auch von der Ratsoligarchie akzeptierte Repräsentant des Zunftbürgertums, dem man zutraute, die Wogen zu glätten. 1480 wurde er erstmals zum Bürgermeister (Stadtpfleger) gewählt. Nach Wiederwahl 1482 und 1484 erscheint er noch bis 1489 im engeren Führungszirkel, zog sich danach aber aus der großen Politik zurück. Obwohl als ’Weber’ bezeichnet, hatte er das Handwerk wohl schon Mitte der 1460er Jahre nicht mehr ausgeübt: Belege für Bleichspekulationen lassen eine Tätigkeit als Verleger vermuten, 1467-1476 erscheint er auf der Nördlinger Messe. Deutlich wird der Übergang zum Handel bei seinem Sohn Claus (III, † 1506/07), der eine Tochter des bischöflichen Kanzlers Johann Laucher heiratete und 1498 ein Anschlagvermögen von 3600 fl (102. Stelle) versteuerte. Nach 1510 ist bei der Witwe deutlicher Vermögensrückgang erkennbar (Töchteraussteuern?); der Sohn Claus (IV) blieb unbedeutend. Stärker hervor traten nun die Söhne des ab 1479 fassbaren Webers Johann (I, † 1498/1503). Seine Beziehung zur Familie des Bürgermeisters ist nicht geklärt; wahrscheinlich war er Nachkomme eines Heinrich Schaller, der 1441 als Bruder des Claus (I) erwähnt wird. Der ab 1516 genannte Sohn Johann (II, † 1573) saß 1543-1547 im Rat und zählte 1545/46 als Siegler zum engeren Führungszirkel. 1533-1545 war er Faktor der Haug-Linck-Langnauer, 1549/50 betrieb er Geschäfte mit Caspar Kron. Der ab 1518 fassbare Sohn Marx († 1558) gelangte durch Heirat mit Anna Welser 1523 auf die Herrenstube, 1549 wurde er als Mehrer Mitglied im Großen Rat. In den 1530er Jahren Geschäftskontakte zu den Fuggern. Ein weiterer Sohn war vielleicht Lukas († 1545), der zuerst in den Diensten der Herwart und Baumgartner stand und ab 1532 ebenfalls für Haug-Linck-Langnauer arbeitete.

Heinrich Steinmeyer, Die Entstehung und Entwicklung der Nördlinger Pfingstmesse im späten Mittelalter, 1960, 181; Werner Schnyder, Handel und Verkehr über die Bündner Pässe im Mittelalter 2, 1975, 406, 425; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 151, 198, Anh. 154-206; Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts, 1996, 724 f.; Jörg Rogge, Für den gemeinen Nutzen. Politisches Handeln und Politikverständnis von Rat und Bürgerschaft in Augsburg im Spätmittelalter, 1996, 62, 134.



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