Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Täufer

Von: Prof. Dr. Herbert Immenkötter / Redaktion (Stand: 22.11.2011)

  • Als radikal-ernsthafter Anhänger der Reformation warb der aus der Schweiz stammende ehemalige Kaplan Ludwig Hätzer für eine Gütergemeinschaft aller Gläubigen nach dem Vorbild der Apostelgeschichte. Weil der Rat ihn gewähren ließ, wuchs seine kleine Anhängerschaft ab 1524 durch Zuzug von Täufern, die aus Zürich, Waldshut, Straßburg und St. Gallen vertrieben worden waren, sehr schnell. Unter den Neuankömmlingen waren die Führer der jungen Täuferbewegung: Hans Denck, Balthasar Hubmaier, Hans Hut u. a. Im Mai 1526 kam es zur ersten ’Wiedertaufe’ in Augsburg, anschließend zur förmlichen Gründung eigener Gemeinden, denen sich auch einflußreiche Augsburger Familien anschlossen (Rehm, Regel, Langenmantel vom Sparren etc.). Am 24.8.1527 trafen sich im Hause des Metzgers Mattheis Finder etwa 60 Täufer aus ganz Süddeutschland und der Schweiz zu einer ’Synode’ (‘Märtyrersynode’), um in Erwartung des baldigen Weltendes noch einmal strittige Fragen zu diskutieren: das Verhältnis zur Obrigkeit, zum Eid, zum Kriegsdienst etc. Mit dem schriftlichen Ergebnis ihrer Beratungen schickten sie je zwei Sendboten zu Gesinnungsfreunden nach Bayern, Brandenburg-Ansbach, Burgau, Hessen und Österreich. Die Zurückgebliebenen behandelte der Rat als ’Rottierer’. Ihre Anführer ließ er einsperren und später ausweisen. Allein Hut fand unter nie ganz geklärten Umständen im Kerker den Tod; ein weiterer Täufer aus Kleinaitingen wurde 1528 hingerichtet. Im ganzen ist das religiöse Anliegen des Täufertums in Augsburg kaum erkannt worden. Deshalb konnten hier einzelne Täufer noch ein halbes Jahrhundert lang durchaus angesehene Stellungen erwerben; ganz anders in den katholischen Nachbarterritorien, wo die Täufer entsprechend dem geltenden Reichsrecht unnachsichtig verfolgt wurden.

Friedrich Roth, Augsburgs Reformationsgeschichte 1, 1881, 218-271; 4, 1911, 612-618; Max Radlkofer, Jakob Dachser und Sigmund Salminger, in: Beiträge zur bayerischen Kirchengeschichte 6 (1900), 1-30; Friedwart Uhland, Täufertum und Obrigkeit in Augsburg im 16. Jahrhundert, Diss. Tübingen 1972; Hans Guderian, Die Täufer in Augsburg, 1984; Herbert Immenkötter, Kirche zwischen Reformation und Parität, in: Geschichte der Stadt Augsburg von der Römerzeit bis zur Gegenwart, 21985, 396-398; K. Doppermann, Täufergruppen in Augsburg und Straßburg, in: Städtische Randgruppen und Minderheiten, 1986, 161-182; Flugschriften vom Bauernkrieg zum Täuferreich, 1992; Hellmut Zschoch, Reformatorische Existenz und konfessionelle Identität, 1995, 218-295; Anabaptist woman leaders in Augsburg, in: Profiles of anabaptist women, 1996, 82-105; Gerhard Simon, Täufer aus Schwaben, Täufer in Schwaben. Eine süddeutsche Region im Schnittpunkt der Täuferbewegung des 16. Jahrhunderts, in: Konfessionalisierung und Region, 1999, 139–159; Ernst Laubach, "... kain Obrigkait zu erkhennen und sich dem Turkhen anhengig zu machen ...". Zu einer Stigmatisierung der Täufer im 16. Jahrhundert, in: Zeitschrift für historische Forschung 34 (2007), 411-439; Anselm Schubert, Täufertum und Kabbalah. Augustin Bader und die Grenzen der radikalen Reformation, 2008.



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