Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Ulstett

Kaufmanns-, Patrizierfamilie

Von: Prof. Dr. Mark Häberlein (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Die aus Nürnberg stammenden Ulstett übersiedelten Mitte des 15. Jahrhunderts nach Augsburg. Markus (I, * 1494, † 1556) machte als Kaufmann und Politiker eine steile Karriere: 1524 Konsul der deutschen Kaufleute in Venedig, war er 1530 Zwölfer der Augsburger Kaufleutezunft und 1535-1538 Zunftmeister. 1538 wurde er ins Patriziat aufgenommen, 1548 zum Bürgermeister gewählt und nach Einsetzung der Karolinischen Regimentsordnung durch Karl V. im selben Jahr zum Geheimen Rat und Stadtpfleger ernannt. 1549 trat er als Stadtpfleger zurück, blieb aber bis zu seinem Tod Mitglied des Geheimen Rates. Als Kaufmann arbeitete er 1534 mit Matthäus Manlich zusammen und unterhielt in den 1540er und 1550er Jahren enge Geschäftsbeziehungen nach Venedig und Antwerpen, wo ihn Georg Hoechstetter als Faktor vertrat (1545/49). Seine Söhne Markus (II, * 1524, † 1571), David (* 1527, † 1586 bei Prag) und Paul (* 1530, † 1575) führten die Handelsfirma des Vaters fort, machten aber bereits 1563 Bankrott. David hielt sich längere Zeit in Venedig auf, wo er nach Stetten 1548 zum Cavaliere di San Marco erhoben wurde. Markus (II) wurde 1561 zum Bürgermeister gewählt, entzog sich aber der Bürde des Amtes, indem er sein Bürgerrecht aufgab und nach München zog. 1563 kehrte er nach Augsburg zurück. Ein weiterer Sohn des Markus (I), Daniel (* 1528), war in den 1550er Jahren an zahlreichen Wechselgeschäften mit Antwerpen und Venedig beteiligt; 1564-1569 Teilhaber und mit Daniel Höchstetter Verwalter einer Bergbaugesellschaft im englischen Keswick, die maßgeblich von den Haug-Langnauer-Linck finanziert wurde; 1574 leitete er deren Bergwerk in Fischbach, um 1582 wieder in Italien tätig. Daniel besaß das Lehen Gailenbach, das er um 1567 an David Haug verkaufte. Eine eigene Handelsfirma, die für ca. 1570-1600 nachweisbar ist und vor allem nach Venedig orientiert war, führte Markus’ (I) Sohn Lukas (* 1536, † 1603). Anfang des 17. Jahrhunderts waren Hans (* 1570, † 1635) und sein Bruder David Ulstett im Fernhandel (Venedig, Leipzig, Antwerpen) und im Altenburger Zinnbergbau tätig.

Paul von Stetten, Geschichte der adelichen Geschlechter in der freyen Reichsstadt Augsburg, 1762, 193; Henry Simonsfeld, Der Fondaco dei Tedeschi in Venedig und die deutsch-venetianischen Handelsbeziehungen 2, 1887, 207; Richard Ehrenberg, Das Zeitalter der Fugger 1, 1896, 234, 387; 2, 167; Josef Hagl, Entwicklung des Augsburger Großkapitals […] 1540-1618, München Diss. 1924, 124 f.; Jakob Strieder, Aus Antwerpener Notariatsarchiven, 1930, 170, 230 f., 241; Ders., Zur Genesis des modernen Kapitalismus. Forschungen zur Entstehung der großen bürgerlichen Kapitalvermögen am Ausgange des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit, zunächst in Augsburg, 21935, 196-198; Quellen zur Handelsgeschichte der Paumgartner von Augsburg, 1955, 32 f.; Christel Warnemünde, Augsburger Handel in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts und dem beginnenden 17. Jahrhundert, 1956, 159 f.; Götz von Pölnitz, Anton Fugger 2/1, 1963, 407, 413 f.; 2/2, 1967, 768 f.; 3/1, 1971, 628; Katharina Sieh-Burens, Oligarchie, Konfession und Politik im 16. Jahrhundert, 1986, 76, 79 f., 86, 170-173, 349; Zwei Augsburger Unterkaufbücher 1551-1558, 1994; Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts, 1996, 843-852; Quellen und Regesten zu den Augsburger Handelshäusern Paler und Rehlinger 1539-1642, 1996, 276, 380 f.



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