Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Ungelter

(Ungeldamt)

Von: Prof. Dr. Rolf Kießling (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Organe der Finanzverwaltung, in zünftischer Zeit mittleres Ratsamt (1548: 1. Klasse). Bis 1548 erscheinen die Ungelter als reine Inkassostellen ohne eigenen Haushalt; die Einahmen wurden an die Baumeister bzw. ab 1467 an die Einnehmer abgeliefert. Bedingt durch den langwierigen Prozess der Durchsetzung des Ungelds dauerte es relativ lange, bis Amtsstrukturen und Besetzungspraxis sich verstetigten. Bei Einführung des Schankungelds (1363) wurden zwei patrizische Ratsherren und drei Mitglieder des Großen Rats aus der Gemeinde zu Ungeltern bestimmt, 1382 wurde es von zwei Patriziern und drei Zünftlern eingenommen. 1389 waren die Zuständigkeiten aufgegliedert: Die Rechnungen nennen sowohl Wein- als auch Bierungelter, jeweils für die obere und die untere Stadt, daneben als wichtigere Funktionen noch Barchent- und Salzungelter. Als Zwischeninstanz lassen sich 1398-1414 vorübergehend die ’Einnehmer aller Ungelt’ fassen, die die Vielzahl der ’kleinen’ Ungelde, zumeist auch das Wein-, Barchent- und Salzungeld, an die Baumeisterkasse ablieferten. Nach ihrem Verschwinden sind die Verhältnisse geklärt. Als mittlere Ratsämter erscheinen nun bis 1548, jeweils mit einem Patrizier und einem Zünftler (Abweichungen in der Ära Schwarz) doppelt besetzt, die Wein-, Barchent- und Salzungelter (das Weinungelteramt war ab 1471 mit einem dritten zünftischen Amtsinhaber besetzt). Nach Einführung der Karolinischen Regimentsordnung werden als Leiter des für ’schwankende Ware’ (Wein, Bier, Essig, Honig etc.) zuständigen Ungeldamts vier Ratsherren (3 Patrizier, 1 Gemeinde) genannt. Schon in zünftischer Zeit (ab 1369) lassen sich Ungeldschreiber fassen, die offenbar nicht der Stadtkanzlei zugeordnet waren. Im 18. Jahrhundert beschäftigte das Ungeldamt 14 Bedienstete.

Paul von Stetten, Beschreibung der Reichsstadt Augsburg, 1788, 50, 96; F. Frensdorff, Das Ungeld in Augsburg, in: Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert 4, 1865, 157-165; Karl Wagner, Das Ungeld in den schwäbischen Städten bis zur 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts, Diss. Marburg 1903; Ingrid Bátori, Die Reichsstadt Augsburg im 18. Jahrhundert, 1969, 98 f.; Rolf Kießling, Bürgerliche Gesellschaft und Kirche in Augsburg im Spätmittelalter, 1971, 64-66; Bernd Roeck, Eine Stadt in Krieg und Frieden, 1989, 267 f., 285 f.; Hans Georg Kopp, Das Einnehmer- und Baumeisteramt Augsburgs im 16. Jahrhundert, Diss. Augsburg 1994.



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