Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Walther

Kaufmanns-, Patrizierfamilie

Von: Prof. Dr. Mark Häberlein (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Die Walther zogen um 1400 von Donauwörth nach Augsburg zu. Ulrich (I, * 1418, † 1505), der 1473 als Mitglied der Kaufleutezunft dem Rat angehörte, zahlte 1498 die vierthöchste Vermögenssteuer in Augsburg. Mit seinen zahlreichen Nachkommen, die fast durchweg in die angesehensten Augsburger Familien einheirateten, ließ er sich auf dem um 1500 entstandenen Walther-Epitaph (Staatsgalerie) abbilden. Sein Sohn Markus (* 1456, † 1511) verfasste eine Chronik von Augsburg, die sich weitgehend auf diejenige Hektor Mülichs stützt, und ein Turnierbuch, in dem er seine Waffengänge mit Adligen und reichsstädtischen Bürgern und die Genealogie seiner Familie aufzeichnete (Turniere). Die reich illustrierte Handschrift (Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 1930) ist ein wichtiges Dokument für Reprä­sentationsstil und Selbstverständnis des Augsburger Bürgertums am Ausgang des Mittelalters. Die protestantischen Walther wurden 1538 ins Patriziat aufgenommen. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts waren Mitglieder der Familie Teilhaber mehrerer Handelsgesellschaften. Die Firma von Bernhard und Hans Walther und Konrad Greck handelte mit Lyon, Marseille und Genua; Hieronymus und Daniel hatten 1579 Handelsprivilegien in Lyon, nach 1590 auch Verbindungen nach Florenz und Venedig. Ulrich (III, † 1608) war 1581-1583, Bernhard (II, † 1595) 1591-1594 Bürgermeister. Der Augsburger Kaufmann Philipp Walther († 1553 Venedig, ermordet), der wiederholt Konsul der deutschen Kaufleute in Venedig war und dort griechische Handschriften für die Stadtbibliothek beschaffte, gehörte vermutlich nicht der Patrizierfamilie an. Die Walther waren in Hainhofen und Ottmarshausen begütert und übten von etwa 1450 bis 1662 das Amt des bischöflichen ’Kuchelmeisters’ aus. Unter dem Priorat der Anna Walther wurde das Kloster St. Katharina neu errichtet. 1662 starb die Familie in männlicher Linie aus.

Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert 22, XLVI-XLIX, Beilage 1, 379-395; Paul von Stetten, Geschichte der adelichen Geschlechter in der freyen Reichsstadt Augsburg, 1762, 165 f.; Henry Simonsfeld, Der Fondaco dei Tedeschi in Venedig und die deutsch-venetianischen Handelsbeziehungen 2, 1887, 208; Jakob Strieder, Zur Genesis des modernen Kapitalismus. Forschungen zur Entstehung der großen bürgerlichen Kapitalvermögen am Ausgange des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit, zunächst in Augsburg, 21935, 15, 17; Dieter Weber, Geschichtsschreibung in Augsburg, 1984, 67, 241; Katharina Sieh-Burens, Oligarchie, Konfession und Politik im 16. Jahrhundert, 1986; Kurzweil viel ohn‘ Maß und Ziel, 1994, Kat., 186 f.; Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts, 1996, 886-893.



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