Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Wandmalereien

Von: Dr. Gode Krämer (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Die meist in Freskotechnik ausgeführten Wandmalereien an Decken und Fassaden sind ein besonders wichtiges Teilgebiet der Augsburger Malerei. Ein Großteil der bedeutenden Augsburger Künstler hat Wandmalereien ausgeführt. In Zeiten, in denen es keine geeigneten Augsburger Maler gab, z. B. im späten 16. Jahrhundert, holte man sich Ersatz von außerhalb (z. B. Giulio Licinio, Georg Pecham). Bemalte Fassaden bestimmten entscheidend den Eindruck der Stadt, wobei die ’billigere’, allein dekorative, und die ’teurere’, figürliche Wandgestaltung nebeneinander bestanden. Von dem weithin gerühmten Glanz der Augsburger Wandmalereien sind heute nur noch äußerst spärliche Reste erhalten. Die ältesten, romanischen Beispiele finden sich im Dom, vor allem in der Krypta unter dem Westchor. Aus dem frühen 13. Jahrhundert stammen die qualitätsvollen Wandmalereien in St. Peter am Perlach. Wichtige Beispiele von Wandmalereien aus der Zeitspanne 1368-1530, von Johannes Wilhelm umfassend dokumentiert, sind die Fresken der Goldschmiedekapelle in St. Anna, das Fragment ’Drei Frauen am Grab’ im Dom, das ’Rankenornament’ in der Fuggerkapelle von St. Anna und der riesige Christophorus im Dom (1491, wohl Ulrich Apt d. Ä.). Aus dem 16. Jahrhundert sind, da die Fresken Christoph Ambergers vergangen sind, nur noch spärliche Reste der Bemalung unter den Arkaden des Hofes im Fuggerhaus von Jörg Breu d. Ä., der Innenwände des Weberhauses von Jörg Breu d. J. (1538, Kunstsammlungen Augsburg, Inv. Nr. 6423-6429), der Bemalung des Rehlingerhauses durch Licinio und des Pfeiffelmannhauses durch Pecham erhalten. Das ehemalige Haus Leonhard Böcks von Böckenstein (1544/46, heute Maximilianmuseum) wurde um 1980 nach einem Aquarell des 18. Jahrhunderts in der Fassade nachgeahmt. 1992 wurde an der Ludwigsstraße 13 ein gut erhaltenes Bauerntanzfresko von 1520 gefunden und am Ort belassen. Aus dem 17. Jahrhundert sind, da die hochgerühmten Fresken Johann Rottenhammers ebenso vergangen sind wie die Bemalungen der verschiedenen Tore durch Johann Matthias Kager, nur geringe Reste der Wandmalereien im Goldenen Saal und zwei Scheinfenster aus der Südfassade des Weberhauses von Kager erhalten (1605/07, Kunstsammlungen Augsburg, Inv. Nr. 6430/31), dessen Gesamtbemalung durch Kupferstiche und die Kopie von August Brandes der Städtischen Kunstsammlungen vollständig dokumentiert ist. Allerdings bleibt für diesen Zeitraum zu bedenken, dass Elias Holl bei seinen Architekturen gänzlich auf Wandmalereien verzichtete und nur die einzelnen Architekturglieder färbte. 1995 wurden im Hinterhaus Kohlergasse 8 größere Reste einer Gesamtraumfreskierung aus dem frühen 17. Jahrhundert gefunden, die stilistisch Kager nahestehen. Die größten Verluste an Wandmalereien sind für das 18. Jahrhundert zu beklagen. Nahezu alle bedeutenden Augsburger Maler haben gerühmte und bewunderte Fresken an Decken und Fassaden ausgeführt. Während die Deckenmalerei des 18. Jahrhunderts noch in reicher Fülle in Werken herausragender Künstler (Johann Georg Bergmüller, Joseph Christ, Gottfried Bernhard Göz, Matthäus. Günther, Gregorio Guglielmi, Johann Joseph Anton Huber, Joseph Mages, Melchior Steidl etc.) existiert und darüber hinaus die im Krieg zerstörten Werke großenteils in Kopien von Karl Nicolai dokumentiert sind, ist die Fassadenmalerei nahezu vollständig verloren und nur in Kopien von Brandes (großenteils in den Kunstsammlungen) erhalten. Die berühmten Fassadenmalereien von Johann Evangelist Holzer sind nur noch in Entwürfen und einer Serie von Stichen Johann Esaias Nilsons bekannt, während die ebenfalls in der Guidenliteratur hochgelobten Fassadenfresken von Bergmüller, Götz, Mages u. a. selten in zeitgenössischen Stichen, sondern allein in den Aquarellkopien von Brandes dokumentiert sind. Einen Eindruck eines freskierten Hauses vermittelt das nach beschädigten Malereien aus der Mitte des 18. Jahrhunderts nachgemalte Kathanhaus (1960). Das Gesamtensemble von Decken- und Wandmalereien besteht noch in dem von Bergmüller geschaffenen Treppenhaus der Bischöfliche Residenz. Weitgehend intakte profane, den ganzen Raum umfassende Wandmalereien aus dem 18. Jahrhundert befinden sich im Stiermannhaus und in besonders hoher Qualität von Johann Joseph Anton Huber im Palais des ehemaligen Hösslinschen Gartenguts. Im 19. Jahrhundert bemalte Ferdinand Wagner die Fuggerhäuser an der Maximilianstraße mit Wandmalereien aus der Geschichte des Geschlechts, die 1944 zerstört wurden (Entwürfe und Fotografien im Heimatmuseum Schwabmünchen).

Welt im Umbruch 1, 1980, 269 ff.; Karl Kosel, Bildprogramm und Bildtradition in der Augsburger Domkrypta, in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte 15 (1981), 140-168; Johannes Wilhelm, Augsburger Wandmalerei 1368-1530, 1983; Elias Holl und das Augsburger Rathaus, 1985; Johann Evangelist Holzer, 1991; U. Schütte, Gemälde an der Fassade, in: Münchner Jahrbuch der Bildenden Kunst 3. Folge 43 (1992), 113-132; Bernt von Hagen / Angelika Wegener-Hüssen, Stadt Augsburg, 1994; Doris Hascher, Fassadenmalerei in Augsburg vom 16.-18. Jahrhundert, 1996.



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