Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Zangmeister

Kaufmannsfamilie

Von: Prof. Dr. Mark Häberlein (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Die aus Memmingen stammenden Zangmeister waren bereits Mitte des 15. Jahrhunderts im Fernhandel mit Sensen nach Frankreich und in die Schweiz tätig. Einen großen Aufschwung nahm die Handelsgesellschaft der Zangmeister in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts unter der Leitung von Eberhard (I, * 1476, † 1539), der in Memmingen zahlreiche städtische Ämter (u. a. Kramerzunftmeister, Bürgermeister) bekleidete. Der Schwerpunkt der Handelstätigkeit lag im Vertrieb von Textilien und im Import von Baumwolle. Daneben handelte die Firma auch mit Eisenwaren, Gewürzen und Luxuswaren. Faktoreien wurden in Augsburg, Kaufbeuren, Biberach, Venedig und Lyon, wo Eberhard 1529 ein Haus besaß, eingerichtet. In Genf wurde die Firma durch einen Verwandten vertreten. Als erstes Familienmitglied übersiedelte Eberhards Bruder Hans (I) 1511 nach Augsburg, wo er eine eigene Firma gründete. Seine Söhne Hieronymus und David, die mit Töchtern Markus Ehems verheiratet waren, beteiligten sich um die Mitte des 16. Jahrhunderts in großem Umfang an französischen Staatsanleihen in Lyon. 1553 war König Heinrich II. von Frankreich mit 99.400 Kronen bei ihnen verschuldet. Nach dem französischen Staatsbankrott wurde die Firma der Brüder 1560 zahlungsunfähig. Ihr Konkurs zog auch den Zusammenbruch der Firma der Söhne Eberhards (I), Hans (II), Eberhard (II) und Kaspar, nach sich, die 1560 ihre Zahlungen einstellen musste. Hans (II) hatte durch seine Heirat mit Anna Rehm 1530 Augsburger Bürgerrecht erworben und dort die Leitung der Firmenfiliale übernommen.

Ascan Westermann, Die Zahlungseinstellung der Handelsgesellschafter der Gebrüder Zangmeister zu Memmingen 1560, in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 6 (1908), 460-516; Ders., Die Zangmeister als Memminger Kramer und Großkaufleute, in: Memminger Geschichtsblätter 12 (1927), 27-41; Hektor Ammann, Oberdeutsche Kaufleute und die Anfänge der Reformation in Genf, in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte 13 (1954), 188-190; Raimund Eirich, Memmingens Wirtschaft und Patriziat 1347-1551, 1971, 228-241; Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts, 1996, 977-986.



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