Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Zeitungen

Von: Dr. Ingeborg Salzbrunn / Günther Grünsteudel (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Vor und neben den vom Augsburger Buchdruck abhängigen frühen Nachrichtenorganen (Flugschriften) entstand ein handschriftlicher Nachrichtendienst, die sogenannten Briefzeitungen. Sie waren zunächst nur zur internen Information bestimmte Mitteilungen aus dem Einzugsbereich der großen Augsburger Handelshäuser (z. B. Fuggerzeitungen) und etablierten sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts als gewerbsmäßige, private Unternehmen. Bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts ist dieser Zweig des Nachrichtenwesens, der bereits die periodische Erscheinungsweise entwickelte, in Augsburg nachweisbar. Die beiden frühesten gedruckten Zeitungen, die evangelisch orientierte ’Wochentlich Ordinari-Post-Zeitung’ Jakob Koppmayers (Augsburger Abendzeitung) und ihre (fast) titelgleiche katholische Konkurrenz, die ’Wochentliche Ordinari-Post-Zeitung’ August Sturms (Augsburger Postzeitung) entstanden erst Ende des 17. Jahrhunderts. Die 1520 per Ratsdekret eingeführte Zensur ließ bis zum Revolutionsjahr 1848, das eine vorübergehende Pressefreiheit mit sich brachte, lediglich Ansätze einer eigenständigen Meinungspresse zu. So konnten sich auch in den beiden ältesten Augsburger Zeitungen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts unterschiedliche politische Einstellungen nur andeutungsweise artikulieren: der gemäßigte Liberalismus der Abendzeitung und der katholisch gefärbte Konservativismus der Postzeitung. Um diese beiden Organe gruppierten sich bald gesinnungsverwandte Blätter. Es entstanden dem politischen Liberalismus nahestehende Zeitungen wie Augsburger Tagblatt (1830-1886), Augsburger Anzeigblatt (1842-1883) und Augsburger Kurier (1877-1898), die gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den liberal gesinnten Augsburger Neuesten Nachrichten (1862-1932) aufgingen. Letztere fusionierte 1932 mit der Augsburger Abendzeitung (1675-1934). Die Hauptorgane der katholisch-konservativen Presse waren die dem Bildungsbürgertum nahestehende Augsburger Postzeitung (1687-1935) und die den Typ der Volkszeitung vertretende Neue Augsburger Zeitung (1857-1944). Während die Augsburger Nationalzeitung (1931-1945) Sprachrohr der offiziellen Parteimeinung im Dritten Reich wurde, entsprach die SPD-nahe Schwäbische Volkszeitung (1891-1933, 1949-1966) eher dem Anspruch einer sozialistischen Tageszeitung als dem eines Parteiorgans. Als Repräsentanten einer unabhängigen Presse zu nennen sind schließlich die eine Eliteleserschaft ansprechende Allgemeine Zeitung (1810-1882) und die sich durch die Namenswahl auf ihre bedeutende Vorgängerin berufende, im Gegensatz zu ihr jedoch auf Breitenwirkung hin angelegte Augsburger Allgemeine (seit 1945).

Handbuch der Zeitungswissenschaft 1, 1940, 386-403; Karl d’Ester, Augsburg und die deutsche Presse, in: Augusta 955-1955, 1955, 393-402; Johannes Weber, Neue Funde aus der Frühgeschichte des deutschen Zeitungswesens, in: Archiv für Geschichte des Buchwesens 39 (1993), 326-331; Gerhard Hetzer, Presse und Politik 1890-1945, in: Augsburger Buchdruck und Verlagswesen, 1997, 1135-1157; Josef Mančal, Zu Augsburger Zeitungen vom Ende des 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts., in: ebenda, 683-733; W. J. Schütz, Aufbau und Ausbau. Zeitungen in Augsburg und im Regierungsbezirk Schwaben 1945-1995, in: ebenda, 1159-1178.



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